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Azubi stellt sich dumm um Arbeiten nicht erledigen zu müssen

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    Hallo zusammen

    Ich bin seit einiger Zeit fleissige (heimliche) Mitleserin, habe mich aber auf Grund meines «Problem-Azubis» entschlossen, ein Thema zu eröffnen.
    Ich erhoffe mir von euch eine andere Sicht der Dinge zu erhalten und im besten Fall einen neuen Lösungsansatz.

    Zuerst mal zu mir. Ich bin 36 und habe vor rund 2 Jahren in meiner jetzigen Firma (Kfz-Betrieb) begonnen. Ich arbeite in der Administration. Was soviel heisst, ich empfange die Kunden, nehme Telefone entgegen, vereinbare Termine und bin für die Buchhaltung und Korrespondenz verantwortlich.
    Bei meinem früheren Arbeitgeber war ich für die Lehrlingsausbildung verantwortlich und bin es jetzt auch im jetzigen Betrieb. Ich habe bereits mehrere Auszubildende betreut und erfolgreich durch die Ausbildung begleitet.

    In diesem Betrieb ist es jetzt mein erster Azubi im Bereich Bürokaufmann. Der gute Mann ist 18 Jahre alt. Er hatte seine Ausbildung im August 2017 bei uns begonnen. Zuvor hatte er eine weiterführende Schule besucht, diese aber abgebrochen. Er sagt, er hätte festgestellt, dass Schule nichts mehr sei für ihn und er lieber eine Ausbildung absolvieren würde. Wenn ich mir aber seine Noten anschaue, denke ich eher, dass er gehen musste. Jedenfalls haben wir den Jungen eingestellt.

    Sein erstes Lehrjahr hat er knapp überstanden. Schulisch eine Katastrophe. Zum Glück hatte er zwei Fächer die ihn noch auf eine genügende Durchschnittsnote brachten und er so bleiben konnte. Das ist aber auch alles.

    Seit aber ungefähr 3 Monaten zieht er die Masche «ich stell mich dumm dann brauch ich die Arbeit nicht zu machen». Ich geb euch mal ein zwei Beispiele

    Letzten Freitag kamen um 09:00 Uhr ein Kunde und seine Frau in unser Geschäft. Sie wollten ihr Auto abholen. Da das Auto aber noch nicht ganz fertig war, bot unser Azubi ihnen einen Kaffee an. Was ja sehr lobenswert ist. Als die Kundschaft dann weg war, wäre es eigentlich seine Aufgabe gewesen, die Tassen in die Spülmaschine zu räumen und den Tisch abzuwischen. Als die Tassen um 14:00 immer noch da standen, sagte ich ihm, er soll doch bitte aufräumen.
    Als ich ihn dann darauf ansprach, warum er das nicht schon längst gemacht habe, war seine Antwort «ich hab gar nicht mitbekommen, das Kunden da waren und nicht realisiert, dass da noch Tassen standen»

    Eine seiner Aufgaben ist es, wöchentlich die Pflanzen in den Büros zu giessen und die vorfrankierten Briefumschläge aufzufüllen. Unser Chef und unsere Personalverantwortliche möchten jeweils einen Stapel mit vorfrankierten Briefumschlägen in ihren Büros.
    Vor 4 Wochen kam mein Chef zu mir und fragte wo unser Azubi sei. Seine Pflanzen seien schon fast vertrocknet und Briefumschläge seien auch nicht da. Als ich den Azubi fragte, warum er den Job nicht erledigt hätte, meinte er «Die Tür zum Büro war abgeschlossen und ich wusste nicht wie öffnen»
    All die Monate zuvor hatte er aber die Tür mit dem Generalschlüssel, welchen wir im Sekretariat haben, ohne Probleme aufschliessen können.

    Er hatte den Auftrag, auf der Homepage eines Lieferanten ein Formular auszufüllen, damit ein defektes Ersatzteil bei uns in der Werkstatt abgeholt wird.
    Ein einfaches Onlineformular. Seine erste Frage «wie lautet unsere PLZ»
    Dann 5 Minuten Gefluche. Anschliessend sagte er zu mir «Füll du das Formular aus, ich kann das nicht»
    Ich bin dann mit ihm hingesessen und habe gefragt was denn nicht funktioniere. Er könne keine Strasse eintragen. Rechts auf der Seite stand aber ganz klar, dass erst die PLZ eingetragen werden muss, anschliessend erscheint eine Auswahl an Strassen für diese PLZ. Er aber hat dies nicht mal gelesen und einfach behauptet er könne das nicht.


    Natürlich könnte ich die Arbeiten jeweils selbst erledigen und ihn einfach schmoren lassen, dies würde ihn aber nicht weiter bringen.
    Also habe ich mit ihm das Gespräch gesucht und ihn konkret darauf angesprochen, was denn genau das Problem sei. Ich hätte den Eindruck, dass er sich extra dumm stelle um Arbeiten nicht erledigen zu müssen.
    Er meinte dann aber es sei alles in Ordnung, er vergesse nur ab und an Dinge.
    Ich habe dann mit ihm zusammen eine Strategie erarbeitet, wie dieses «Vergessen» nicht mehr passiert.
    Nur leider wir es nicht besser, er stellt sich immer noch – in meinen Augen aus reiner Faulheit – dumm um gewisse Arbeiten nicht erledigen zu müssen.

    Auch das Gespräch mit den Eltern hat nichts gebracht. Sie sind der Meinung, dass ihr Sohn nun erwachsen ist und er selbst entscheiden kann, was er tun möchte und was nicht. Sie würden sich da nicht einmischen.

    Ich bin langsam am Ende meines Lateins und weiss nicht mehr was ich noch machen soll.

    Vielleicht kenn jemand von euch die Situation und hat mir hilfreiche Tipps wie ich mit dem Lehrling umgehen soll. Ich bin der Meinung, dass der Junge nicht dumm ist, aber faul.

    Liebe Grüsse Sabrina

  • #2
    Hallo Sabrina,

    ich weiß, es gibt den alten Spruch "Lehrjahre sind keine Herrenjahre", aber beim Lesen Ihres Beitrages hatte ich so ein bisschen den Eindruck, dass von Ihrem Azubi vor allem erwartet wird, all die lästigen Dinge zu erledigen, die sonst keiner machen will (Kaffeetassen wegräumen, Blumen gießen, Briefumschläge frankieren etc.). Daher fühlt er sich möglicherweise etwas ausgenutzt oder zu wenig wertgeschätzt und hat das Gefühl, nicht wirklich etwas Sinnvolles zu lernen. Das könnte ein Grund für die fehlende Motivation sein. In diesem Fall würde ich das persönliche Gespräch suchen und ihn einmal direkt darauf ansprechen. Das wäre sicher besser, als ihm unausgesprochen Faulheit zu unterstellen. Schauen Sie mal auf seine Stärken und Kompetenzen, da gibt es sicher welche, und bestätigen Sie ihn dafür. Und die Kaffeetassen kann ja durchaus auch mal jemand anders abräumen, das sollte nicht immer nur der Azubi sein.

    Viele Grüße
    adama67

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    • #3
      Das klingt für mich stark nach Unkonzentriertheit. Die Ursachen hierfür können natürlich vielfältig sein. Angefangen von Desinteresse am Job, über die mangelnde Unterstützung der Eltern, auch wenn er bereits volljährig ist.

      Oder erledigt er die, in seinen Augen, "wertvollere" Aufgaben zuverlässiger?

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      • #4
        Hallo Sabrina,

        meinem Vorsprecher adama67 kann ich nicht ganz zustimmen. Denn auch wenn ich das erste Beispiel als unpassend gewählt finde es doch aussagekräftig ist. Um das genauer auszuführen. Kann ich nachvollziehen, dass der Auszubildende das Gefühl nach der Beschreibung haben kann mit niedrigeren oder unangenehmeren Aufgaben sich konfrontiert zu fühlen (Beispiel: Warum gießt der Chef seine Pflanzen nicht selbst, wenn er sieht das sie "verrecken". Sry). Aber das Beispiel mit den Kaffeetassen ist nach dem S+O = S Prinzip Bestandteil des Berufsbild. Schließlich hat er den Kunden betreut und es gehört nunmal zum Abschluss dazu den Arbeitsplatz in dem Fall wieder ordnungsgemäß zu hinterlassen. Was ich nicht verstehe ist, warum so lange gewartet wird, möchte man ein Verhalten "konditionieren" so muss die Abhandlung der Veränderung unmittelbar nach Eintreten des Geschehnisses erfolgen. Sonst kommt nämlich die Situation zu Stande die adama schildert. Der Azubi könnte denken: "Man siehts ja wenn ich die Tassen nicht wegräume macht des auch kein anderer. Das interessiert keinen weil alle denken ich muss das machen und warten ab also stell ich mich dumm."

        Andernfalls ist die Frage zu der tatsächlichen beruflichen Aufgabe die er vorbereitet. Handelt es sich hierbei um einen Übertragungseffekt aus den anderen Aufgaben, dass er diese nicht gewissenhaft erledigt? Stellt er sich tatsächlich dumm, oder fallen bei nicht berufsbezogenen Aufgaben auch Schwierigkeiten auf? (z.B. Kann auch eine Verletzung des Gehirns vorliegen, die er nicht selbstwahrnimmt,)

        Sollte es wirklich an "Faulheit" "Dummheit" oder "Desinteresse" liegen, dann solltest du nochmal das Gespräch suchen und ihn fragen ob er stichpunktartig die Ausbildung so beschreiben kann wie er sie gerne hätte das sie ihn motiviert. Dann sollte man einen Kompromiss finden und die Veränderung beobachten. Tritt diese nicht ein sollten zunächst die externalen Faktoren geprüft werden (was hat Einfluss darauf dass es nicht klappt) bevor wir es wieder auf die internalen Faktoren des Azubis beziehen (Er hat einfach seine Einstellung nicht geändert). Sollte es sich bewahrheiten, dass es zum Ende hin seine Einstellung gegenüber der Ausbildung ist, dann muss die Keule kommen. Denn schließlich verstößt er gegen seinen Vertrag und dementsprechend kann er sinen Ausbvildungsplatz auch verlieren.

        Mehr fällt mir erstmal auch nicht ein wir sind gespannt wie es sich entwickjelt halt uns auf dem laufenden.

        LG

        A.R.

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        • #5
          da trifft wohl da gute, alte Sprichwort zu "wer sich 5 Minuten lang dumm stellt, erspart sich 5 Stunden lang Arbeit" :-) es dürfte ihn einfach nicht interessieren, oder hat einfach einen schlechten Tag erwischt.

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          • #6
            Hallo Sabina,

            ich weiß nicht, wie hilfreich Du die Vermutung findest, dass dein Azubi "einen schlechten Tag" gehabt habe. Es scheint ja mehrere Vorfälle zu geben. Natürlich gehören Aufgaben wie Bewirtung und 'Blumen gießen' zum Büroalltag. Aber welche spannenden Arbeitsaufgaben hat der junge Mann sonst und in welchem Umfang? Wer hat das Ersatzteil bestellt, für das er ein Formular einer Reklamation schreiben sollte?
            Oder wird der Azubi immer nur dann involviert, wenn das "Kaufmännische" schon erledigt ist? Das "Vor-Frankierungen" von leeren Briefumschlägen legt diese Vermutung nahe.
            Wenn es so wäre, kann ich nach einem Jahr einer solcher unterfordernden Ausbildung eine aufkommende De-Motivation des Azubi nachvollziehen.
            Also: Dem Azubi häufiger vollständige Aufgaben übertragen. Natürlich wird die Erledigung am Ende kontrolliert, gelobt oder auf nötige Korrekturen hin besprochen.
            Für die wiederkehrenden "To-Do's" würde ich vorschlagen, dass der Azubi die Aufgabe bekommt, je eine Checkliste der täglich, wöchentlich und monatlich wiederkehrenden Aufgaben anzulegen. Da ihr sicherlich ein QMS habt, können diese Checklisten dann diesem als Beitrag des Azubi beigefügt werden. So lernt der Azubi auch das QMS kennen.

            PS. Ich hätte mich als 18-jähriger düpiert gefühlt, hätte eine/r meiner AusbilderInnen bei Konflikten mit mir meine Eltern zu Rate gezogen. (Was bei deinem Azubi ggf. zu noch weniger Motivation führen kann.)

            Auf ein Feed-back warte ich gespannt wie die übrigen KollegInnen.

            Beste Grüße

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            • #7
              naja man muss auch beachten, dass Teenager wirklich sehr starke Gefühlsschwankungen haben, also ich kann mir schon vorstellen, dass sich das über einen längeren Zeitraum ziehen kann. Aber ja, das Hauptproblem ist wahrscheinlich das Desinteresse an der Arbeit. Wichtig ist halt dort anzusetzen, wo der Azubi seine Interessen hat. So kann man auch kontinuierlich darauf aufbauen.

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              • #8
                Hallo,
                von den Emotionen die der Auszubildende eben mal mitbringt, habt ihr immer noch einen Ausbildungsvertrag an den sich beide Parteien halten müssen. Neben den oben erwähnten Durchsetzungen konsequenter Regelungen im betrieblichem Alltag, solltet ihr euch noch einmal die Inhalte des Ausbildungsvertrages zu Gemüte führen, dessen Ziel das Bestehen der Ausbildung ist! Mache dem Azubi bitte auch deutlich klar, dass sein Verhalten eventuell das Bestehen der Prüfung gefährden könnte. Ganz wichtig ist jetzt die Dokumentation seines Ausbildungsverhaltens mit gemeinsamer Zielsetzung mit Erfolgsfeststellung. Da ihr beide an der Verbesserung der Ausbildungssituation interessiert seid, solltest Du das Arbeitsamt kontaktieren und ein Beratungsangebot eines örtlichen Trägers der beruflichen Bildung in Anspruch nehmen. In dieser AbH-Maßnahme (Ausbildungsbegleitende Hilfen) wird dann ein entweder ein Dipl.-Psychologe oder Sozpäd in einem Erstgespräch mit Euch und dem Auszubildenden die Problematik besprechen und gemeinsame Lösungsstrategien entwickeln. Die Maßnahme kann nach dem Berufschulunterricht stattfinden und ist umsonst.

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                • #9
                  Ich habe das auch schon oft erlebt, dass wie eine Art plötzliche Unlust da war. Man darf auch nicht unterschätzen, dass junge Leute mit ihren privaten Problemen noch nicht so gut umgehen können. Also Freundin hat Schluss gemacht, der beste Kumpel ist jetzt wegen der Lehre weg gezogen pipapo... Alles schon gehabt! Man muss sich natürlich nicht zu viel bieten lassen, aber junge Azubis können oft noch nicht so gut Privat und Beruf trennen.

                  Ich würde, wie oben bereits gennant den Plan "gemeinsamer Zielsetzung mit Erfolgsfeststellung" angehen. Also fragen, was er denn in Angriff nehmen wollen würde, was kann / darf er machen? Und wie ist das am Ende gelungen. Ich würde einfach knallhart einen Rahmen stecken und der muss dann, in Absprache mit ihm, aber auch eingehalten werden. Vielleicht hilft ihm der strickte Plan besser? Soll ja Leute geben, die das brauchen.

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                  • #10
                    Hallo Sabrina,

                    wie hat sich denn Dein Azubi weiter entwickelt? Ich frage, da wir hier gerade ein sehr ähnliches Problem haben. Wir fragen uns, ob unser ganzes Engagement überhaupt Sinn macht, da der junge Mann auf Durchzug geschaltet hat. Gerade wirkt jede Bemühung unsererseits irgendwie contraproduktiv.

                    Beste Grüße
                    Holzwurm

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