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Azubi will Betrieb wechseln

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    Azubi will Betrieb wechseln

    Vielleicht habt ihr noch Tipps oder Ratschläge wie wir mit der momentanen Situation umgehen können.
    Wir haben massive Probleme mit unserem Azubi (Kaufmann für Büromanagement).

    Er hat im September seine Ausbildung bei uns angefangen. Es startete zunächst recht gut, er hat wirklich was im Köpfchen. Aber er ist einfach nur faul und hat absolut keinen Bock zu arbeiten.
    Wenn er sich mal konzentriert macht er seine Sache super. Nur leider ist das nie der Fall.
    Er hält sich nicht an Absprachen, Hilfsmittel nutzt er nicht und macht auch nach 9 Monaten immer noch Fehler, die schon längst nicht mehr passieren dürften.

    Über ein halbes Jahr lang hab ich auch zum hundersten oder tausendsten Mal die selben Fragen geduldig beantwortet, hab ich die Dinge so praktisch wie möglich gezeigt, ihm geholfen selbst auf die Lösugen / Antworten zu kommen.
    Nachdem ich dachte, ich bringe ihm die Dinge nicht richtig bei, hab ich einen Test ausgearbeitet und ihm gegeben, um mal halbwegs objektiv zu sehen, wo er steht.
    Er hatte alles richtig. Er kanns also. Ich hab mehrfach mit ihm unter vier Augen gesprochen und gefragt, wo es Probleme gibt oder was anders laufen muss, dass er konzentriert arbeiten kann. Er hat von mir auch regelmäßig einen Feedbackbogen bekommen, damit er sieht wo er steht. Nur dass diese Auswertung von Gespräch zu Gespräch schlechter ausfällt. Zur Berufsschule kann er gar nichts sagen, die Noten und selbst die Namen der Lehrer muss ich mir selbst erfragen (mit dem Ergebnis: er macht keine Hausaufgaben und hat fast nur Note 4).
    In unseren regelmäßigen Feedbackgesprächen hat er selbst nie etwas gesagt, was ihn stört oder was anders laufen muss. Er hat immer wieder gesagt, zu mir auch zu meinen Kollegen,dass ihm die Arbeit Spaß macht und er auch nach der Ausbildung hier bleiben würde. Aber was er nicht machen will, legt er beiseite. Nicht mal einen Briefumschlag kann er beschriften. Klar, weiß er wie es geht. Er hat aber keinen Bock drauf. Und dann steht eben kein Absender drauf oder nur die halbe Anschrift. Auch nach hundertmaligem Erinnern, dass er mir zum Feierabend kurz ein Feedback geben soll, was noch unerledigt ist, kriegt er das nicht auf die Reihe. Ich frage ihn zum Feierabend noch direkt danach, trotzdem gibt er mir nur die Hälfte und dann erst nach dreimal fragen, ob jetzt wirklich alles geklärt ist. Er weiß, dass er keinen Ärger bekommt, wenn er was nicht geschafft hat, aber es ist wichtig, dass ich weiß, was noch offen ist. Sonst suche ich ewig, wenn er in der Berufsschule ist.
    Ich habe von Anfang an auch immer viel gelobt, wenn etwas gut lief, auch wenn der Ansatz richtig war. Ich hab mich immer bemüht ihm auch positives Feedback zu geben. Nur leider gab es immer weniger zu loben.

    Er hat mittlerweile auch schon so oft krank gemacht, dass die Zulassung zur Zwischenprüfung gefährdet ist.
    Wir können ihm das krankfeiern zwar nicht nachweisen, aber er ist immer ab Montag krank und auch wenn er seinen Krankenschein mal selbst vorbeibringt, merkt man, dass es ihm eigenltich gut geht.
    Er ist sogar eine Woche zu Hause geblieben, weil seine Freundin Schluss gemacht hat (und nach zwei Wochen hatte er schon die nächste).

    Ich wollte mir sein Verhalten noch ein oder zwei Wochen anschauen und dann sollte es eigentlich mal eine Abmahnung geben. Diese "Scheiß-egal"-Einstellung und die Wiedersetzlichkeit gegen Arbeitsanweisungen, kann ich hier einfach nicht gebrauchen. Ich bin lange genug geduldig geblieben. Das Schlimme ist, dass er von seinen Eltern so extrem verhätschelt wird. Er musste zuhause noch nie irgendwas mit machen, hat noch nie für sein Handeln Konsequenzen tragen müssen und sobald er sich benachteiligt fühlt, fängt er an zu diskutieren oder schickt seine Eltern. Überbehütet, verzogen und ständig in allem von seinen Eltern Recht bekommen.
    Er macht sich weder Gedanken darüber, ob er im Kollegenkreis gut aufgenommen wird, noch dass es ja um seine Zukunft geht. Fühlt sich immer im Recht und ist entsprechend überheblich.
    Wir haben uns wirklich Mühe gegeben, ihm alles so verständlich wie möglich beizubringen und ihn auch im Kollegenkreis in alles mit einzubeziehen, bisher alles umsonst.

    Nachdem er wieder eine Woche Berufsschule hatte und diese Woche wieder im Betrieb sein sollte, kam gestern der Anruf mit dem Wortlaut (klang abgelesen): "Ich will nur Bescheid sagen, dass ich diese Woche nicht komme. Ich möchte den Betrieb wechseln. Ich fühle mich diese Woche nicht in der Lage zu arbeiten. ich brauche Bedenkzeit. Sie können das ja vom Urlaub abziehen." Auf die Aussage des Chefs, dass er jetzt eigentlich keinen Urlaub genehmigt bekommt, kam nur die Frage vom Azubi: Soll ich dann einen Krankenschein bringen?" Er fehlt jetzt quasi "unentschuldigt", mehr oder weniger.

    Wie soll ich damit jetzt umgehen? Ich werde ihn sicher nicht aufhalten, wenn er gehen will. Bisher hatten wir fast nur Ärger mit ihm. Aber jetzt fehlt er ja erstmal die ganze Woche. Kann er in so einem Fall auch unbezahlt freigestellt werden?
    Oder ist das nicht rechtens. Er hat noch Urlaubstage, also vermutlich muss ich die erstmal anrechnen...
    Aber die Frage, ob er sich einen Krankenschein besorgen soll, finde ich wirklich dreist.

    Das Gespräch will ich auf jeden Fall nochmal suchen, aber er wird auch diesmal nicht sagen, warum er nicht arbeiten will und nicht bei der Sache ist.
    Rechtfertigt sein Verhalten bereits eine Kündigung? Eine schriftliche Abmahnung ist nun noch nicht erfolgt (nur eine mündliche vor 2 Monaten). Auf eine Kündigung unsererseits wäre es sowieso hinausgelaufen, wenn die Abmahnungen keine Verhaltensänderung bringt. Oder soll ich seine Kündigung abwarten? So wie es aussieht wird er wohl kündigen.

    Habt ihr sowas schon mal gehabt. Wie habt ihr euch verhalten?

    Für ein paar Tipps oder Erfahrungsberichte wäre ich dankbar.

    (Natürlich habe ich diese Woche auch noch einen Termin mit meiner Ausbildungsberaterin bei der HWK, aber ein paar Meinungen aus der Praxis würden mich auch interessieren)





    #2
    Hallo,

    das was Du beschreibst macht sprachlos, zum Glück mussten wir so etwas noch nicht in unserem Betrieb erleben. Soviel Geduld hätte ich nicht, glaube ich. Das geht natürlich alles so nicht.

    Ich fände wichtig, dass Ihr rechtlich auf der sicheren Seite bleibt und konsequent seid. Also ihm entweder den Urlaub genehmigt oder wegen unentschuldigtem Fehlen abmahnt und die Woche vom Lohn abzieht. Das müsst ihr entscheiden, ob ihr die Konfrontation wollt oder noch einmal klein beigebt. Ich würde mich nicht darauf verlassen, dass er von sich aus kündigt. So leicht findet man auch keinen neuen Ausbildungsbetrieb.

    Immerhin würde ich ihm zu Gute halten, dass er angerufen hat. Offensichtlich ist das Verhältnis so stark zerrüttet, dass er diese Auszeit wirklich braucht. Im Wiederholungsfall kann der Azubi bei unentschuldigtem Fehlen auch gekündigt werden. Vor der Kündigung sollten allerdings immer zwei (schriftliche) Abmahnungen für das gleiche vertragswidrige Verhalten liegen. So kenne ich es zumindest, bin aber keine Juristin.

    Hat er denn in der Berufsschule schon mal unentschuldigt gefehlt? Dann hätte man ihn auch dafür abmahnen können. Aber offensichtlich hat er ja immer einen Krankenschein vorgelegt. Wenn er das so beibehält, kann es sehr schwer werden mit einer Kündigung. Das ist aber alles nicht die Aufgabe des Ausbilders, sondern der Personalabteilung. Das ist auch besser so, schließlich musst Du ja möglicherweise noch irgendwie mit ihm klar kommen.

    Viel Erfolg und gute Nerven!

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      #3
      Hallo,

      wie war denn nun die Woche nach Ostern? Ist der junge Mann noch da, oder hält er sich an sein selbst gestecktes Wechsel-Ziel?

      Die Beschreibung wirkt zunächst sehr eindringlich. Nach mehrmaligen Lesen wird aber klar, dass es zu einer profesionellen Lösung noch einer Menge zusätzlicher Informationen bedarf. So wird erst am Kürzel HWK deutlich, dass wir uns im Bereich des Handwerks befinden. Wie groß ist denn dann der kaufmännische Arbeitsbereich? Wer macht "Personal"? usw. usw.

      Meine Vorrednerin hat Recht, wenn sie eine gewisse Verbindlichkeit von Ausbilder und Personalchef*in einfordert. Das ist nicht nur zum Selbstschutz erforderlich. Und wenn Azubi nur mitnimmt, dass sich nicht jeder alles gefallen lässt!

      Wenn der junge Mann nun doch bleibt, würde ich auf jeden Fall den Ausbildungsstil ändern: Weg von der persönlichen Ansprache - hin zu klar formulierten schriftlichen Lern- bzw. Arbeitsaufgaben im z. B. wöchentlichen Modus. Leittext-Methode hieß das mal. Klares Feedback was die Leistung - auch die kommunikative - betrifft: schriftiche Beurteilungen gegenzeichnen lassen. Vielleicht hilft das bei der Eingewöhnung ins Arbeitsleben.

      Schöne Restwoche vorm 1. Mai.

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