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Sozialkompetenz

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  • Pat
    antwortet
    Irgendwie seltsam...

    Hallo zusammen,

    also ich muss leider auch feststellen, dass mich die Ergebnisse aus diesem Forum ein bisschen enttäuschen. Das ist mir viel zu viel Theorie... ich brauche doch an dieser Stelle gar nicht so viel herumdiskutieren (über Literatur, Definitionen), als Ausbilderin stellt sich mir doch nur die Frage, wie der Begriff in der Praxis aufgefasst wird und welchen Beitrag wir dazu leisten können.

    Sehr oft ist es doch auch einfach so, dass großartige Autoren Ratschläge geben, die in der Ausbilderpraxis absolut untauglich sind. Ich habe hier ein konkretes Beispiel: mein Azubi hatte massive Probleme im privaten Bereich und hat aufgrund dessen sehr den Anschluss verloren. Ich habe hier so viel recherchiert, damit ich eine Möglichkeit finden konnte, wie ich ihm bestmöglich helfen kann (Gespräche etc. haben zwar etwas bewirkt, aber waren nicht ausreichend - er konnte einfach nicht mehr). Die einzig sinnvolle Literatur habe ich auf der Seite von Herr Ruschel gefunden (ganz ehrlich ;-)), weil hier eben der Praxisbezug da ist. Alles andere hat mich nur unglaublich wütend gemacht, denn in der Theorie hört sich das alles sooooo super an, für mich war es nicht brauchbar. Zum Thema Konfliktmanagement müssen Sie entweder Hobbypsychologe werden oder sie beißen sich die Zähne aus. Und wenn ich so einen Fall in der Praxis noch nicht erlebt habe, kann ich eben auch nichts darüber schreiben und andere beratschlagen.

    Wir sollten vielleicht erstmal die Frage klären, über was wir eigentlich sprechen, damit man daraus Maßnahmen ableiten kann, die wir auch umsetzen können. Ich möchte doch nicht als Basis für so ein Forum erstmal 500 Definitionen vergleichen, bevor ich mich dann für eine entscheide und sie etwas ausarbeite.

    Vielleicht kommt es ja noch soweit :-) übrigens Herr Heil, Sie können im Grunde schreiben, soviel Sie möchten, dann werden es einfach noch ein paar Seiten mehr.

    Liebe Grüße, Patrizia

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  • konrad.heil
    antwortet
    Sozialkompetenz

    [QUOTE=reinhold.schmedding]Hallo Herr Heil,

    zunächst gebe ich Ihnen vollkommen recht, dass nicht erst heute, sondern eigentlich generell die Sozialkompetenz gefördert und gelebt werden sollte.
    Mich interessiert Ihr Vorhaben, in welcher Form Sie dieses bewußt fördern möchten.
    Als green-horn-Ausbilder (5/2004) sehe ich heute - speziell in unserem Betrieb - leider
    keine großen Möglichkeiten, da sich die Mitarbeiter (9) auf dieses Thema niemals einlassen werden.
    Sicher trägt die schlechte Konjunktur
    und traditionelles "das haben wir immer so gemacht..." nicht dazu bei, sozial aktiv zu auszubilden und lernen zu lassen.
    So interessant Ihr Thema ist, so frustierend
    sehe ich z. Zt. aber die Möglichkeiten...
    Freue mich auf Ihre Antwort!

    Reinhold Schmedding

    **************************************************

    Hallo Herr Schmedding,

    ich bitte um Nachsicht, dass ich nach der Umstellung des Forums meine Aktivitäten hierfür etwas vernachlässigt habe...

    Ich habe an unserer Einrichtung die Erfahrung gemacht, dass mit Rollenspielen der größte Trainingserfolg erzielt wird. In Ihrem Fall könnte ich mir vorstellen, dass die Azubis das Verhalten von Kunden spielen, bzw. wie darauf zu reagieren ist. Nach unserem Trainingskonzept spielt der Teilnehmer immer mit einem Trainer. Also hier: der Trainer spielt den Kunden, der Azubi spielt das gewünschte Verhalten eines Mitarbeiters.
    Unbedingt wichtig ist, dass der Azubi am Ende mit einem Erfolgserlebnis seine Rolle in Erinnerung behalten kann, auch wenn dazu die Szene womöglich mehrmals zu spielen ist, bis ein akzeptables Verhalten am Ende herauskommt.
    Das Konzept, nach dem wir trainieren, ist in dem Buch "Gruppentraining sozialer Kompetenzen" von Hinsch/Pfingsten beschrieben.
    Wir haben es für unsere Teilnehmer etwas modifiziert.

    Viel Erfolg!
    Konrad Heil

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  • konrad.heil
    antwortet
    Frustrierend ohne Ende...

    Zitat von wolfgang.dietl
    Guten Tag Frau Trost,
    Ihre Enttäuschung kann ich gut nachvollziehen.
    Ich arbeite seit ca. 10 Jahren als Berufsschullehrer intensiv an Unterrichts- bzw. Lernkonzepten. Meine Erfahrung ist fast immer die gleiche.
    "Sogenannte Experten" bis hin zu Lehrstuhlinhabern benutzen hochgeschraubte u. abstrakte Begrifflichkeiten um ihre Vorstellungen über die verschiedensten Bereiche der Berufspädagogik oder Fachdidaktik zu erläutern.
    Eine Erklärung wie, mit welchen Methoden, womit oder wodurch man diese Begriffe oder Schlüsselqualifikationen erreicht bleibt aus oder ist nebulös.
    Es ist frustrierend ohne Ende!
    Bei der Frage - Was sind die Ursache solcher Verhaltensweisen? - stößt man schnell auf die Lösung.
    Bohren sie weiter so Frau Trost.
    WOLFGANG DIETL

    Hallo Herr Dietl,
    ich weiß nicht, ob ich mich als "Experte" betrachten kann...
    Aus meiner Erfahrung als Trainer sozialer Kompetenzen in meinem Ausbildungsbetrieb kann ich Ihnen jedoch Mut machen! Es funktioniert... (mehr oder weniger).
    Ich trainiere grundsätzich zu zweit mit einer Kollegin Trainingsgruppen mit max. 8 Teilnehmern. Wir verwenden das (für unsere Klientel angepasste) Konzept von Hinsch, was einen deutlichen Schwerpunkt auf Rollenspiele von der Videokamera legt. Die Teilnehmer sehen selbst, was an ihrem Verhalten ungünstig ist und versuchen es (nachhaltig) zu ändern.
    Unsere Teilnehmer geben dem Training die Note 1,4 und der Weiterempfehlung des Trainings die Note 1,2
    Besseres konnten wir gar nicht erwarten von den bisher über 120 Trainingsteilnehmern...

    Mit freundlichen Grüßen
    Konrad Heil

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  • konrad.heil
    antwortet
    Zitat von nils.harenberg
    Liebe KollegenInnen, wir fahren mit unseren Azubis im zweiten Lehrjahr für 2 Wochen nach Juist, um sie in ihren Sozialkompetenzen und SQŽs zu fördern. Ich habe die Erfahrung gemacht das die Azubis (die wollen!) sich hier persönlich weiterentwickeln. Nicht nur die Azubis sondern auch ich habe viel hinzugelernt. Deutlich beobachte ich auch (bei einigen) den Transfer in den Betrieb . Ich bin der Meinung, das die Sozialkompetetzen in zukunft wieder an Bedeutung gewinnen. Alleine durch denn immer schnelleren Wandel der Arbeitsprozesse, die die Azubis dazu zwingen mit anderen Menschen in Verbindung zu tretten. Und wenn dann noch das Gehirn besser funktioniert: Prima!
    Mit freundlichen Grüssen
    Nils Harenberg
    Nach meiner Erfahrung stimmt es, dass man selbst sehr viel Nutzen daraus ziehen kann, wenn man anderen (Schülern usw.) bei der Förderung von Sozialkompetenzen behilflich ist. Erfahrungsgemäß ist dieses Thema jedoch nur wirkungsvoll zu erarbeiten, wenn es eine hohe Motivation vonseiten der Trainingsteilnehmer gibt, sich damit auseinander zu setzen. Also ist freiwillige Teilnahme an Trainingsprogrammen die Voraussetzung.

    Freundliche Grüße

    Konrad Heil

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  • wolfgang.dietl
    antwortet
    Klärung von Begrifflichkeiten

    Guten Tag Frau Trost,
    Ihre Enttäuschung kann ich gut nachvollziehen.
    Ich arbeite seit ca. 10 Jahren als Berufsschullehrer intensiv an Unterrichts- bzw. Lernkonzepten. Meine Erfahrung ist fast immer die gleiche.
    "Sogenannte Experten" bis hin zu Lehrstuhlinhabern benutzen hochgeschraubte u. abstrakte Begrifflichkeiten um ihre Vorstellungen über die verschiedensten Bereiche der Berufspädagogik oder Fachdidaktik zu erläutern.
    Eine Erklärung wie, mit welchen Methoden, womit oder wodurch man diese Begriffe oder Schlüsselqualifikationen erreicht bleibt aus oder ist nebulös.
    Es ist frustrierend ohne Ende!
    Bei der Frage - Was sind die Ursache solcher Verhaltensweisen? - stößt man schnell auf die Lösung.
    Bohren sie weiter so Frau Trost.
    WOLFGANG DIETL
    Zuletzt geändert von wolfgang.dietl; 01.11.2006, 09:45.

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  • konrad.heil
    antwortet
    RE: Sozialkompetenz

    Hallo Herr Erk,
    hallo Herr Hüther,

    vielleicht darf ich einen kleinen Beitrag zur Diskussion stellen:
    Sozialkompetenz (über Definitionen möchte ich mich nicht streiten) gehört zu den sog. Schlüsselqualifikationen, die im Berufsleben unabdingbar sind. Es ist richtig, dass früher ein guter Teil davon durch die elterliche Erziehung vermittelt wurde. Heute kann man nicht mehr ohne weiteres davon ausgehen, dass das noch der Fall ist. Außerdem ist der berufliche Konkurrenzkampf enorm vielschichtig geworden, so dass die Fachkompetenz alleine nicht mehr zum langfristigen Erfolg ausreicht. Man muss davon ausgehen, dass nicht mehr in erster Linie "Fachkräfte" eingetellt, sondern "Persönlichkeiten" gesucht werden, die sowohl im Team als auch im Kundenkontakt sich bewähren. Dabei gibt es sicher eine Reihe von theoretischen Grundlagen der Kommunikation zu "lernen". Wesentlich scheint mir jedoch die Einübung von langfristig günstigen Verhaltensweisen durch ein teilnehmerzentriertes Gruppentraining.
    Ich habe gute Trainingserfahrungen gemacht mit dem Konzept von Hinsch ("Soziale Kompetenz kann man lernen"), auch wenn es punktuell noch verfeinert werden muss.

    Freundliche Grüße
    Konrad Heil

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  • dirk.hüther.1
    antwortet
    RE: Sozialkompetenz

    Hallo Herr Erk

    "Sozialkompetenz! Ein schönes Wort für etwas, dass man im gesellschaftlichen und im Arbeitsleben voraussetzt (z. B. Teamfähigkeit, Gruppenverhalten.)"

    Wenn wir auf dieser Basis "Sozialkompetenz" diskutieren, dann befürchte ich, dass am Ende wirklich eine Diskussion über Bergrifflichkeiten herauskommt. Vor allem die Vermischung von Sozialkompetenz mit so schwammigen und mißverständlich gebrauchten Worten wie "teamfähig" o.ä. sorgt dafür, dass das ursprüngliche Hindernis erhalten bleibt, nämlich das Schubladendenken. Sozialkompetenz hat viel mehr etwas mit "Bindungsfähigkeit" zu tun. Gerade das Wort "teamfähig" wird aus meiner Erfahrung mit Führungskräften oft genug als Alibi gebraucht, Mitarbeiter zu verurteilen, mit denen die Vorgesetzten nicht klarkommen, weil diese vielleicht etwas zu genau fragen.


    "Daher frage ich mich: Wollen Sie mit diesem Forum bezwecken, dass wir als Ausbilder den Jugendlichen etwas beibringen oder nur das vorhandene fördern?"

    Beides!
    Vieles von dem, was Auszubildende "lernen sollen" ist in ihnen (durch Eltern, Kultur, Bedürfnisse, etc.) und braucht nur freigelegt zu werden.
    Gegenfrage: Was wollen Sie? Was ist Ihr Ziel?

    "Klar, das eine geht nicht ohne das andere (in dem man jemandem etwas beibringt, fördert man auch gleich noch etwas!) Doch frage ich mich, wo die Grenze ist! Sollten gewisse Grundkompetenzen nicht im Elternhaus, Schule, Freundeskreis vermittelt werden, auf die dann der Ausbilder im betrieblichen Alltag aufbauen kann? Ist die Gruppe der Auszubildenden nicht auch eine eigene Einheit, in der man diese sozialen Kompetenzen vermittelt bekommt (gerade, was die Teamfähigkeit anbelangt?)"

    Das einzige Lebewesen, das kein Gehirn braucht, ist der Bandwurm. Er hat eine Lebensumwelt, die immer schön warm ist und in der es immer was zu futtern gibt. Also hat der Bandwurm auch keine Herausforderung und braucht demgemäß auch kein Gehirn.
    Mit uns Menschen ist es ähnlich.
    Wer ein Leben ohne Herausforderungen geführt hat, oder in seinem Leben nur eine einzige Strategie gelernt hat auf Herausforderungen zu reagieren (z.B. mit Aggression), der läuft eben Gefahr, dass sein Gehirn verkümmert wie das von einem Bandwurm.

    "Erzeugt nicht viel mehr eine Seminarsituation einen gewissen Druck auf die Jugendlichen (gerade dann, wenn sie als Einzelperson davon betroffen sind?)"

    Das kommt vor allem auf den oder die an, der oder die das Seminar leitet.

    Bin schon ganz auf Ihre Reaktion gespannt.

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  • matthias.erk
    antwortet
    RE: Sozialkompetenz

    Hallo Herr Heil,

    Sozialkompetenz! Ein schönes Wort für etwas, dass man im gesellschaftlichen und im Arbeitsleben voraussetzt (z. B. Teamfähigkeit, Gruppenverhalten.)

    Daher frage ich mich: Wollen Sie mit diesem Forum bezwecken, dass wir als Ausbilder den Jugendlichen etwas beibringen oder nur das vorhandene fördern?

    Klar, das eine geht nicht ohne das andere (in dem man jemandem etwas beibringt, fördert man auch gleich noch etwas!) Doch frage ich mich, wo die Grenze ist! Sollten gewisse Grundkompetenzen nicht im Elternhaus, Schule, Freundeskreis vermittelt werden, auf die dann der Ausbilder im betrieblichen Alltag aufbauen kann? Ist die Gruppe der Auszubildenden nicht auch eine eigene Einheit, in der man diese sozialen Kompetenzen vermittelt bekommt (gerade, was die Teamfähigkeit anbelangt?)

    Der Ansatz, den ein Kollege gebracht (der Name ist mir entfallen), dass die Auszubildenden ein eigenes Seminar diesbezüglich durchführen, ist an sich ja nicht schlecht. Denn gerade dabei zeigt sich doch, wo der eine oder andere Schwächen hat (das sollte man durch eine kritische Reflektion nach Vollendung herausfinden!) Gerade hier lernt die einzelne Person auch viel dazu, oder täusche ich mich?
    Erzeugt nicht viel mehr eine Seminarsituation einen gewissen Druck auf die Jugendlichen (gerade dann, wenn sie als Einzelperson davon betroffen sind?)

    Dies wollte ich einfach kurz los werden! Ich freue mich über eine Antwort!

    Mit freundlichen Grüßen
    Matthias Erk

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  • nils.harenberg
    antwortet
    RE: Sozialkompetenz provokant

    Liebe KollegenInnen, wir fahren mit unseren Azubis im zweiten Lehrjahr für 2 Wochen nach Juist, um sie in ihren Sozialkompetenzen und SQŽs zu fördern. Ich habe die Erfahrung gemacht das die Azubis (die wollen!) sich hier persönlich weiterentwickeln. Nicht nur die Azubis sondern auch ich habe viel hinzugelernt. Deutlich beobachte ich auch (bei einigen) den Transfer in den Betrieb . Ich bin der Meinung, das die Sozialkompetetzen in zukunft wieder an Bedeutung gewinnen. Alleine durch denn immer schnelleren Wandel der Arbeitsprozesse, die die Azubis dazu zwingen mit anderen Menschen in Verbindung zu tretten. Und wenn dann noch das Gehirn besser funktioniert: Prima!
    Mit freundlichen Grüssen
    Nils Harenberg

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  • konrad.heil
    antwortet
    RE: Sozialkompetenz provokant

    Hallo Herr Hüther,
    danke für Ihren Beitrag.
    Es spricht also vieles klar für die Notwendigkeit des Trainings der sozialen Kompetenzen. Wenn damit auch noch die entsprechende Gehirnregion sich mehr entwickelt, kann das nachhaltig günstige Folgen haben.

    Mit freundlichen Grüßen
    Konrad Heil

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  • dirk.hüther.1
    antwortet
    RE: Sozialkompetenz provokant

    "Wichtiger aber erscheint mir, dass Begriffe im Wortfeld Training zwar im Bereich der Fortbildung anzutreffen sind, nicht aber in der Berufsausbildung, auch nicht im Berufsbildungsgesetz oder in einer Ausbildungsordnung - und das hat ja wohl auch seinen Grund."

    Ich stimme Ihnen zu. Das hat sicherlich sogar ganz viele Gründe, doch welches Ziel wird damit verbunden? Welchen Nutzen haben Azubis, wenn sie nicht trainiert werden? Welchen Nutzen haben Ausbilder davon? Werden Jugendliche in Fußballklubs nicht auch trainiert? Oder wird ihnen dort der Fußball gelehrt? Ist es überhaupt noch zeitgemäß auf Basis einer 1998 erschienen AEVO zu unterrichten, während die Hirnforschung in den letzten 5 Jahren einige der Inhalte der AEVO und des BBiG in seine Bestandteile zerpflückt hat?

    Gerade an diesen Begriffsschwierigkeiten scheitern viele Ausbildungen und sogar potenzielle Ausbildungen, weil die Ausbilder und Ausbildenden eben keinerlei zeitgemäße Kenntnisse über die Funktions- und Arbeitsweise des Gehrins haben und glauben, Sozialkompetenz sei ein - vom 15ten Lebensjahr an - im Gehirn eingebrannter Betonpfeiler. Sie unterschätzen damit die Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit des Gehirns.

    "Nicht die Stärksten überleben oder die Intelligentesten, sondern die am meisten bereit sind zum Wandel." (Charles Darwin)

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  • dirk.hüther.1
    antwortet
    RE: Sozialkompetenz provokant

    Wenn wir einen Blick in die moderne Hirnforschung werfen, dann können wir in entsprechender Literatur lesen, dass das menschliche Gehirn plastisch ist und sich mit seiner Art der Nutzung demenstprechend entwickelt - auch strukturell, organisch - im Sinne von sich neu bildenden Vernetzungen.
    Bsp.: Laut einer Studie in England ist in den letzten zehn Jahren bei Jugendlichen das Areal im Gehirn, das für die Benutzung der beiden Daumen zuständig ist stetig angewachsen - find' ich lustig!
    Wenn wir uns von der metasprachlichen Ebene - auf der wir niemals ein Ergebnis erzeugen können, sondern immer nur eine Definition - herunterbewegen auf die Pragmatische (wie und was wirkt?), so können wir als ein Ziel von Trainings oder von "Lehren" formulieren, alternative Handlungsstrategien für das selbe Ziel oder Bedürfnis zu finden. Im selben Moment, da nun diese alternative Strategie in das Weltbild der Beteiligten integriert ist, erfolgt automatisch eine Vernetzung im Gehirn - es werden neue Nervenknoten und -bahnen gebildet. Wird diese "Strasse" nun häufiger benutzt, weitet sie sich irgendwann zu einer Autobahn, so dass das entsprechende Verhalten stabil wird. Nichts anderes ist Lernen.
    Gerade menschliche Bindungsfähigkeit als Metakompetenz ist ein Beispiel für die Fähigkeit des menschlichen Gehirns sich selbst zu verändern, neu zu strukturieren und damit dauerhaft anderes Verhalten zu etablieren. Wenn Menschen mit geringer "Sozialkompetenz" in einem Computertomographen im Gehirn "durchleuchtet" werden, wird das Areal, das für Bindungsfähigkeit zuständig ist vermutlich recht klein sein. Durchleuchten wir die selbe Person einige Monate nach intensiven Trainings, wird dieses Areal sich entsprechend vergrößert haben.
    Also können wir - fernab der Metasprache - Sozialkompetenz sogar vermitteln, solange wir uns nicht über Worte auseinandersetzen, sondern über Ziele.
    Das Wort ist nicht das Ding!
    Die Landkarte ist nicht das Land!
    Buchtipp: "Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn" - Gerald Hüther (nicht mit mir verwandt)

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  • konrad.heil
    antwortet
    RE: Sozialkompetenz provokant

    Hallo Herr Ruschel,
    es liegt mir fern, das Training sozialer Kompetenzen in Zusammenhang mit Beruflicher Bildung zu bringen. Wie sie richtig feststellen ist davon im Berufsbildungsgesetz nicht die Rede.
    Dass jedoch soziale Kompetenz für eine umfassende "Handlungskompetenz" (auch davon gibt es ca. 20 Definitionen) unabdingbar, darüber besteht kein ernsthafter Zweifel.
    Richtig ist auch, dass soziale Kompetenz nicht "gelehrt", sondern Vorhandenes nur gefördert, d.h. trainiert werden kann.
    Damit denke ich, ist der Rahmen dieses Forums, das ich moderiere, hinreichend abgesteckt.
    Dieses Forum möchte, wie erwähnt, den Erfahrungsaustausch unter jenen Kollegen ermöglichen und fördern, die sich mit dem Training sozialer Kompetenzen befassen.

    Freundliche Grüße
    Konrad Heil

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  • adalbert.ruschel
    antwortet
    RE: Sozialkompetenz provokant

    Hallo Herr Heil,
    schön, dass die Diskussion öffentlich zu laufen beginnt. Wenn Sie anführen, der Begriff "lehren" sei nicht hinreichend definiert, dann gilt das aber für "trainieren" nicht minder. Wichtiger aber erscheint mir, dass Begriffe im Wortfeld Training zwar im Bereich der Fortbildung anzutreffen sind, nicht aber in der Berufsausbildung, auch nicht im Berufsbildungsgesetz oder in einer Ausbildungsordnung - und das hat ja wohl auch seinen Grund. Nach dem halben Dutzend Definitionen, die ich auf die Schnelle gelesen habe, kann Training nur Vorhandenes entwickeln, nicht Grundlegendes vermitteln. Das aber gerade ist die Aufgabe der Berufsausbildung. Sie "vermittelt" nach § 1 (3) BBiG "berufliche Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten (berufliche Handlungsfähigkeit) ..." Die berufliche Fortbildung hat nach § 1 (4) BBiG "die berufliche Handlungsfähigkeit zu erhalten und anzupassen oder zu erweitern ..." Da ist dann Training sogar per Definition anwendbar.

    Mit besten Grüßen
    Ihr Adalbert Ruschel

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  • konrad.heil
    antwortet
    RE: Sozialkompetenz provokant

    Ob Sozialkompetenz "lehrbar" ist, hängt m.E. von der Begriffsdefinition des Wortes "lehren" ab. Um in solchen Spitzfindigkeiten nicht unangemessen viel Energie zu vergeuden, habe ich in meiner Begrüßung des Forums von "Training" gesprochen, mit der die Sozialkompetenz gefördert werden kann. Das ist auch der in der Fachliteratur gängige Terminus.

    Freundliche Grüße
    Konrad Heil

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