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Azubi lügt

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    Azubi lügt

    Guten Tag,

    meine Auszubildende im ersten Lehrjahr ist bereits seit Ende der Probezeit ein äußerst schwieriger Fall. Es gab bereits eine erste mündliche Verwarnung woraufhin sie beteuerte, dass ihr die Ausbildung sehr wichtig ist. Das aktuelle Anliegen möchte ich wie folgt schildern:

    Sie ist seit dem ersten Tag nach ihrer Probezeit jeden zweiten Monat für 3-6 Tage krankheitsbedingt abwesend. Dieses Jahr ist sie bereits 12 Tage krankgeschrieben worden. Ein jedes Mal berichtet sie, sie habe eine blutige Blasenentzündung.

    Beim letzten Mal ging es ihr bereits Montag und Dienstag schlecht woraufhin ich sie beide Tage eher gehen ließ. Da sie Mittwoch und Donnerstag die Berufsschule besucht schlug ich vor sie solle sich Freitag Urlaub nehmen, sich ausruhen und zum Arzt gehen - wenn der Arzt sie nicht krankschreibt, könne sie dennoch zuhause bleiben. In der Nacht zum Montag folgte dann die Nachricht, dass es ihr sehr schlecht gehe und sie zum Arzt gehen wird müssen. Dieser schrieb sie dann eine Woche krank.

    Nur am Rande: Dies war ihre dritte Krankschreibung aufgrund blutiger Blasenentzündung binnen kürzester Zeit.

    Nun ist sie erneut Krank. In der Nacht zum Montag erhielt ich wieder eine Nachricht, dass sie erneut unter blutiger Blasenentzündung leidet und sie zum Arzt muss. Nachdem ich bis 9 Uhr nichts von ihr hörte rief ich sie an. Sie wirkte äußerst verschlafen und berichtete, dass ihre Ärztin erst 9 Uhr öffnet. Nach dem Telefonat sah ich nach und stellte fest, dass ihre Ärztin bereits 7 Uhr öffnet und rief interessehalber da an mit der Frage, ob jemand mit permanenter blutiger Blasenentzündung tatsächlich nur mit Antibiotika behandelt wird. Dort erklärte man, dass man bei der zweiten blutigen Blasenentzündung bereits zum Spezialisten überwiesen und bei der dritten vom Spezialisten eine Überweisung ins Krankenhaus zur weiteren Abklärung erhält.

    Ich rief die Auszubildende erneut an. Auf meine Frage weshalb sie annehme ihre Ärztin öffne erst ab 9 Uhr meinte sie, dass sie zum Spezialisten in einen weiter weg gelegenen Ort gehe und dort habe sie 7 Uhr angerufen und gesagt bekommen, sie solle 9 Uhr da sein. Auf meine Frage weshalb sie nicht bereits beim Arzt sitze, da es bereits 9 Uhr war (sie hat einen Fahrweg von gut 45 min.) folgte lediglich ein „ja ich weiߓ. Ich forderte sie auf mir eine Bescheinigung des Arztes herein zu reichen aus der hervor geht dass sie tatsächlich 7 Uhr anrief und erst 9 Uhr einen Termin erhielt.

    Gegen 12 Uhr erschien der Krankenschein samt Bestätigung des Arztes, dass sie 6:40 Uhr auf den AB sprach und von 10-10:30 Uhr in der Praxis war. Sie log die gesamte Zeit.

    Nach Rücksprache mit meinen Kollegen wissen wir alle nicht so recht, wie wir hiermit umgehen, denn SO ETWAS hat sich hier noch keiner gewagt.

    Eine Abmahnung fällt nach Absprache mit meinem Chef aus; er setzt hier voll und ganz auf meine Kompetenzen.

    #2
    AW: Azubi lügt

    Hallo Phoenix,

    sind Sie denn sicher, dass die Auszubildende Sie anlügt? Sie ist aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht verpflichtet, Ihnen genaue Auskünfte über die Art ihrer Erkrankung zu erteilen. Auch die Arztpraxis unterliegt der ärztlichen Schweigepflicht.

    Falls Sie Ihnen tatsächlich die Unwahrheit erzählen sollte, liegt das Problem hier wohl eher im Bereich der Motivation. Dann sollten Sie gemeinsam mal schauen, woran es genau liegt und versuchen, zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen. Der Ansatz, der Auszubildenden betrügerische Absichten zu unterstellen, ist hier m.E. eher nicht zielführend.

    Viele Grüße
    adama67

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      #3
      AW: Azubi lügt

      Hallo,

      ich denke auch, hier sollte nach dem eigentlichen Problem gesucht werden.

      Wie erledigt die Auszubildende denn die Arbeitsaufgaben? Hat Sie darüber hinaus Probleme, in ihrem familiären Umfeld etc.? Ist es Faulheit oder ist sie vielleicht wirklich krank?

      Vielleicht kommt man hier mit Verständnis und guten Zureden weiter als mit Sanktionen. Allerdings würde ich die Lügen schon ansprechen und auch deutlich machen, dass das gar nicht geht.

      Viele Grüße
      Holzwurm

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        #4
        AW: Azubi lügt

        Ich suche bereits seit Ende ihrer Probezeit nach ihrem Problem.

        Die ihr zugeteilten Aufgaben erledigt sie nie so wie man es erwarten darf. Sie zeigt deutlich Desinteresse und Ignoranz von einfachsten Regeln. Da sie zu Beginn permanent ihre Probleme mit Exfreunden am Arbeitsplatz über Handy zu lösen versuchte fand erstmals der Ausspruch des Handyverbots statt. Dies war bis dato nie erforderlich, da bisweilen bei allen anderen Auszubildenden eine gewisse Art von Respekt, Achtung und Interesse an der Ausbildung vorhanden waren.

        Egal was man ihr als Tipps auf den Weg gibt: Sie ignoriert sie. Ich sagte ihr oft, dass sie ihren Kleidungsstil im Büro nicht tragen kann und aufgerissene Jeans, Hoodys und Sportschuhe nicht in unser Unternehmen passen. Ignoriert sie. Sie entwendete regelmäßig Büromaterial welche sie nach Aufforderung und dem Hinweis, dass das zu unterlassen ist wieder zurück brachte. Obschon man ihr ein jedes Mal sagt, sie solle ihre Schriftsätze zur Kontrolle noch einmal lesen, erreichen mich nur Schriftsätze, die vor offensichtlichen Fehlern nur gespickt sind. Selbst ihr Handy wird wieder raus geholt und heimlich hinter meinem Monitor benutzt.

        All dies ist bis dato bei noch keinem/keiner Auszubildenden aufgetreten.

        Es fanden unzählige, sehr einfühlsame Gespräche statt. Ein jedes Mal räumt sie ein, ihr bedeute die Ausbildung sehr viel, sie will dies unbedingt und ist sehr enttäuscht von sich selbst, fängt an zu weinen und gelobt Besserung. Dies wiederholt sich monatlich.

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          #5
          AW: Azubi lügt

          Da helfen nur ganz klare Regeln, Null-Toleranz bei Regelverstößen usw. Ich denke, es funktioniert nur mit der ganz kurzen Leine. Ständige Kontrolle, Rechtschreibfehler muss sie eigenständig verbessern usw. Das nervt und ist auch nicht immer realisierbar, weil man ja selbst auch noch zu tun hat. Darüber hinaus würde ich bei dieser Gesamtproblematik allerdings auch eine Abmahnung so langsam aber sicher in Erwägung ziehen. Sie merkt doch sonst, dass nichts passiert und sie machen kann, was sie will. Das Entwenden von Büromaterial ist schon sehr heftig, die anderen Dinge, die passiert sind auch. Ehrlich gesagt muss ihr jetzt einfach mit handfesten Konsequenzen gedroht werden. Was ist denn mit der Berufsschule, gibt es da auch Probleme?

          Viele Grüße
          Ausbilder75

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            #6
            AW: Azubi lügt

            Mit der Berufsschule habe ich bereits einen Termin vereinbart. Ihre Rechtschreibkontrolle habe ich bis dato durchgeführt und sie musste lediglich ändern. Bislang lief es auch nie anders. Ich werde dies wohl ändern müssen. Traurig für sie wenn sie sieht, dass alle anderen nicht so arbeiten müssen.

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              #7
              AW: Azubi lügt

              Hallo Phoenix,

              ich kenne das Problem ziemlich genau. So eine Auszubildende hatte ich auch.
              Die junge Dame hielt sich nicht an die Arbeitszeiten, war sehr häufig krank geschrieben (immer von anderen Allgemeinmedizinern), hat gelogen und schlechte Leistungen im Betrieb und der Berufsschule erbracht.

              Die ersten Gespräche führte ich mir ihr alleine. Sie beteuerte, dass es ihr leid tue und sie sich bessern wird.
              Als ich immer mehr das Gefühl hatte, sie tanze mir auf der Nase rum, holte ich mir die Geschäftsleitung zu einem Gespräch dazu. Sie wurde gefragt, warum sie mehrmals in kurzer Zeit nicht in der Berufsschule war, ohne uns zu informieren.
              Sie schwieg. Wir auch. Dann kullerten die (Krokodils)Tränen. Die Tränen kannte ich schon, hat sie in jeder Abteilung gemacht und hat immer funktioniert.
              Ich hätte mir das noch eine Stunde ansehen können, ich wollte eine Antwort. Aber zwei der drei Geschäftsleiter hatten Mitleid und beendeten das Gespräch ohne weitere Konsequenzen.

              Das war der Punkt an dem sie merkte, dass ihr nichts passiert.
              Dazu muss man aber auch sagen, dass ihr Vater bei uns in der Produktion tätig ist.

              Ich kann nur raten, nochmal mit Ihrem Chef zu sprechen wegen einer Abmahnung!!!
              Bei mir haben keine Konsequenzen etwas genützt.
              Und mit Samthandschuhen wegen Krankheiten, Problemen etc. hat bei mir auch nicht funktioniert.
              Sie hat bei mir schon zu spüren bekommen, was ich von alldem gehalten habe.


              Wir haben die Auszubildende halt 3 Jahre durchgezogen...
              Sowas möchte ich nicht nochmal erleben.

              Die Abschlussprüfung hatte sie auch nicht bestanden (Note 5) und wir hatten schon Angst vor einer Verlängerung der Ausbildungszeit.
              Sie hatte aber gerade mal wieder einen Freund und wollte lieber zu dem ziehen und in der Stadt dort die Ausbildung abschließen...

              Ich weiß nicht, ob das nun hilfreich ist.
              Aber Sie sind nicht alleine damit.
              Bin gespannt, wie es weitergeht...

              Liebe Grüße,
              Flo

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                #8
                AW: Azubi lügt

                Hallo Phönix,
                ich habe Ihr Problem anfangs nur für ein sehr persönliches gehalten und darauf zu antworten ist immer schwierig, weil man zu wenig Details kennt.
                Jetzt aber scheint mir das Ganze doch exemplarischer zu werden und deshalb verweise ich mal auf einige Texte zu typischen Erziehungsfragen, die ich auf meiner Website www.adalbert-ruschel.de unter "Texte zum Herunterladen" abgelegt habe. Vielleicht finden Sie dort etwas Passendes. Auf jeden Fall bin ich schon mal froh, dass es noch Ausbilderinnen und Ausbilder gibt, die sich nicht mit Basta-Verhalten aus schwierigen Situationen davonstehlen. Chapeau!

                Mit freundlichen Grüßen
                Adalbert Ruschel
                Adalbert Ruschel
                Professor i.R. Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg
                Autor und Ko-Autor von Büchern und Buchbeiträgen zur beruflichen Bildung

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