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Katastrophale Kommunikation und fehlende Einhaltung von Absprachen - bitte um Hilfe!

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    Katastrophale Kommunikation und fehlende Einhaltung von Absprachen - bitte um Hilfe!

    Seit einem Jahr bildet unser Betrieb und ich erstmalig im Beruf der Bürokauffrau aus.

    Wir haben eine Auszubildende eingestellt, die wir anfangs als "nur schüchtern" eingestuft haben, jedoch einen ordentlichen Eindruck machte. Im ersten Lehrjahr gab es bereits diverse Gespräche, um die Auszubildende im Bereich der Kommunikation zu stärken und auf den Weg zu bringen. Erteilte Arbeitsanweisungen und Aufgaben wurden teils verzögert bis gar nicht erledigt, weil die Auszubildende "Angst vorm Telefon" hat oder persönliche Gespräche vermieden werden wollten, sogar bei Kollegen im gleichen Haus. Es fehlte an Rückmeldungen, wenn Aufgaben fertig gestellt wurden oder aber sogar die Tatsache, dass sie sich aus der Berufsschule zurückgekehrt, anmelden sollte, nicht eingehalten wurde. Im Laufe des Jahres gab es dann diverse Anleitungen, zahlreiche Unterweisungen, Trainings und Handreichungen zum Thema Kommunikation. Aber unsere getroffenen Vereinbarungen und Absprachen wurden seitens der Auszubildenden immer nur für zwei Tage eingehalten, danach verfiel sie wieder in ihr bekanntes Muster. So hatte ich die Auszubildende jedes Mal weinend vor mir stehen, wenn es darum ging, an das Telefon zu gehen. Einen Grund für diese Angst konnte sie mir nicht nennen. Sie berichtete mir aber von familiären Problemen mit dem jüngeren Bruder, woraufhin ich ihr bzw. der Familie professionelle Hilfe empfohlen habe. Ein weiteres großen Problem war, dass sie eigenmächtig entscheidet, dass sie "lieber" Aufgaben für die Berufsschule macht, obwohl Arbeitsaufträge vorhanden sind. Erhält sie Aufgaben, gibt sie keinerlei Rückmeldung darüber, wenn diese fertig sind und vermeidet jeglichen direkten Kontakt. Wenn ich sie lasse, sitzt sie die Zeit ab in ihrem Büro oder erledigt Schulaufgaben, anstatt sich zu melden.

    Aus täglichen freundlichen Erinnerungen "durch die Blume" über die Einhaltung (da es jeden Tag wieder eine Absprache gab, die sie nicht eingehalten hatte) entstanden leider Kritikgespräche, wo ich sie mit den Problemen offen konfrontiert habe, um eine Änderung zu erwirken und gemeinsam eine Lösung zu finden. Auch hier fing sie jedes Mal zu weinen an, brach sogar bei mehreren Terminen das Gespräch ab, indem sie die Türe knallend und lautstark brüllend aus dem Büro lief. In den Kritikgesprächen entgegnete sie oft nur mit trotzigen Kommentaren wie "Ja, klar." und vergriff sich häufig stark im Ton. Nach klärenden Gesprächen zu einem späteren Zeitpunkt am Tag gab sie mir immer den Eindruck, dass sie verstanden habe, worum es geht. Im Alltag ist sie freundlich, versuchte jedoch sehr oft ihr Fehlverhalten über Ausreden zu kompensieren und neigt zu "Notlügen". Die schulischen Leistungen sind fabelhaft, wobei mir auch hier von der Berufsschule das Problem der Kommunikation berichtet wurde. Aufgaben erledigt sie auch, stellt jedoch weder Nachfragen zu Hintergrund oder Verständnis, was dazu führt, dass sie die Aufgaben, trotz meiner Nachfrage, doch nicht verstanden hat und falsch macht. Das bekomme ich nur auf Nachfrage nach Erledigungsstand mitgeteilt.

    Zu Beginn des 2. Lehrjahres gab es dann noch einmal ein Gespräch, in dem auch noch einmal die verbesserungswürdigen Punkte und "Probleme" besprochen wurden und gemeinsame Vereinbarungen schriftlich festgehalten wurden. In allen bislang erfolgten Gesprächen gelobte sie bislang immer Besserung und hat dies auch ca. 2-3 Tage immer eingehalten.

    Mit dem Ausbildungsberater der IHK habe ich dann auch Kontakt aufgenommen, da ich mir keinen Rat mehr wusste. Aus meiner Sicht habe ich alles Mögliche versucht, um ihr zu helfen und sie auf den Weg zu bringen. Dies hat mir der Berater ebenfalls aufgrund meiner konkreten Schilderung bestätigt. Aufgrund des dokumentierten Fehlverhaltens und der fehlenden Leistung, die wir ja gemeinsam schriftlich fixiert hatten, war ich soweit, ihr eine Abmahnung zu erteilen.

    Als dann vor einigen Wochen aus ihren Ausreden, warum sie die Aufgabe noch nicht erledigt habe, ziemlich deutlich wurde, dass sie mich anlog, habe ich sie zur Rede gestellt. Nachdem sie dies vehement abstritt und mir sagte, dass sie das Gefühl hätte, ich wolle sie "rausekeln", verließt sie wieder Türe knallend das Büro und schloss sich in der Toilette ein. Eine Stunde später platzte ihre wütende Mutter in mein Büro und schrie mich an, ich hätte ihre Tochter der Lüge bezichtigt. Ich habe die Mutter und die Auszubildende dann zu einem Gespräch gebeten, wo im Verlauf auch von der Mutter erkannt wurde, dass die Auszubildende ihren Teil der "Leistung" im Bericht zu Hause völlig außen vor gelassen hatte. Im Anschluss schienen sowohl Mutter als auch Tochter zu verstehen, dass ein Fehlverhalten seitens der Auszubildenden besteht und behoben werden muss und dass die Auszubildende bereits mehrere Hilfestellungen auch abgelehnt hat. Mit ihrem Wunsch eines "Neuanfangs" hat sie dann eine Woche lang eine Verhaltensänderung gezeigt und ich hoffte, dass sie nun endlich verstanden habe, dass sie etwas ändern muss.

    Es sind nun einige Wochen vergangen und ich kann zusehen, wie sie zurück in das Muster verfällt. Ich muss sie an Ihre Aufgaben erinnern, bekomme teils Ausreden genannt für Verzögerungen und eine Entwicklung, selbstständiger zu werden, ist nicht ersichtlich. Ich bin wirklich verzweifelt, denn ich habe das Gefühl, dass sie nur versucht, ihre Zeit abzusitzen und "irgendwie" durch die Ausbildung zu kommen. Hinzu kommt, dass ich den Verdacht habe, dass sie an einer Essstörung leidet und darüber hinaus psychisch mit der familiären Situation überlastet ist. Ich stecke sehr viel Zeit und Energie in diese Ausbildung, die ich zusätzlich zu meiner Position im Unternehmen durchführe und bin sehr frustriert zu sehen, dass sich keine Verhaltensänderung abzeichnet. Mittlerweile ist meine Hoffnung sogar auf ein Minimum geschrumpft, so dass ich teilweise tatsächlich Gedanken habe, die Auszubildende lieber "loszuwerden".

    #2
    AW: Katastrophale Kommunikation und fehlende Einhaltung von Absprachen - bitte um Hil

    Hallo Hilde,

    meines Erachtens haben Sie bereits alles getan, was getan werden kann. Nun wäre es an der Auszubildenden, ihren Teil der Abmachungen einzuhalten.

    Sie schreiben, dass eine Abmahnung geplant war. Was wurde daraus? Bevor Sie versuchen, die Auszubildende "loszuwerden", wäre das doch vielleicht noch ein ernsthafter Warnschuss. Möglicherweise nimmt die Auszubildende die Situation nicht ernst genug, bzw. konnte sich in der Vergangenheit mit ihrem Verhalten immer wieder durch mogeln. Bei allem Verständnis für die offensichtlich vielfältigen Probleme Ihrer Auszubildenden, darf das nicht zu solch gravierendem Fehlverhalten in der Ausbildung führen.

    Hat Ihre Auszubildende denn überhaupt Interesse an der Ausbildung bzw. dem Beruf? Nach Ihren Schilderungen wirkte das eher nicht so.

    Viele Grüße
    Ausbilder 75

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      #3
      AW: Katastrophale Kommunikation und fehlende Einhaltung von Absprachen - bitte um Hil

      Hallo Ausbilder 75,

      vielen Dank für die Antwort!

      Die Abmahnung habe ich im Gespräch mit Mutter und Tochter erwähnt und dies auch so ausgesprochen. Im weiteren Gesprächsverlauf und später alleine mit der Auszubildenden habe ich dann mit ihr erneut Vereinbarungen getroffen, wonach ich zunächst noch einmal von der Abmahnung Abstand genommen habe. Dieses hatte ich auch mit dem Ausbildungsberater am gleichen Tag noch besprochen. Vereinbart wurde, dass wir uns im Januar an einem Termin noch einmal die Entwicklung anschauen und dann entscheiden werden. So lange dokumentiere ich weiter ihr Fehlverhalten und hoffe, dass es einfach bei ihr "Klick" macht.

      Auf meine mehrfache Nachfrage zu verschiedenen Zeitpunkten, ob sie diese Ausbildung überhaupt möchte, hat sie dies immer bejaht. Ich bezweifle dies allerdings, denn alle Handreichungen, sogar Kommunikationstrainings mit externen Dritten hat sie abgelehnt.

      Es ist wirklich traurig, da ich selbst sehr an dem Gelingen der Ausbildung interessiert bin und dies ja nicht zuletzt mein "persönlicher Spaß" ist. Ich hatte mir das wirklich anders vorgestellt und es gibt sicherlich zahlreiche junge Leute, die für eine gute Ausbildung alles geben würden.

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        #4
        AW: Katastrophale Kommunikation und fehlende Einhaltung von Absprachen - bitte um Hil

        Hallo Hilde,

        für mich hört sich das sehr nach einer psychischen Störung an und ich vermute das eine Soziale Phobie dabei ist. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass gute Ratschläge und Hilfsangebote langfristig nicht helfen. Hier muss professionelle psychologische Hilfe her. Haben Sie einen Betriebsarzt mit dem Sie das besprechen können? Vielleicht hat er einen guten Draht zu der Auszubildenden und kann mit ihr sprechen und die richtigen Hilfen für sie in die Wege leiten.

        Ansonsten ist es natürlich sehr, sehr schwer jemanden auf eine evtl. psychische Krankheit hinzuweisen und ihm den Weg zu helfenden Stellen zu weisen. Können Sie einschätzen ob die Mutter der Auszubildenden hilfreich wäre? Vielleicht ist sie dankbar für ein weiteres Gespräch mit Ihnen und dem Gefühl, da ist jemand, der meiner Tochter helfen möchte. Möglich ist aber auch, dass die Mutter ganz abweisend reagiert - ihre Tochter hat doch kein psychisches Problem.

        Falls Sie sich nicht sicher sind ob das der richtige Weg für Ihre Auszubildende ist, fallen mir noch die Ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) ein. Diese werden über die Arbeitsagentur finanziert. Leider kann ich Ihnen keinen Tip geben wie Sie diese beantragen können.

        Wenn es sich um eine Soziale Phobie handelt, hier eine Ermutigung für Ihre Auszubildende: Mit der richtigen Therapie kann man lernen mit den meisten angstmachenden Situationen gut umzugehen.

        Alles Gute für Sie und Ihre Auszubildende

        Sandra Scholz

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          #5
          AW: Katastrophale Kommunikation und fehlende Einhaltung von Absprachen - bitte um Hil

          Liebe Frau Scholz,

          vielen Dank für Ihre Einschätzung. Einen Betriebsarzt haben wir in unserem Unternehmen selbst nicht, so dass ich sie, wenn, an einen externen Betriebsarzt verweisen müsste. Bei der Mutter bin ich mir nicht sicher. Ich tendiere jedoch dazu, dass sie die Einschätzung allerdings eher negativ auffassen wird. Wie in meinem ersten Post geschrieben, hatte jene mich ja bereits ohne Vorwarnung in meinem Büro angeschrien, noch bevor sie überhaupt eine Erklärung meinerseits gehört hatte. Ich möchte mal vorsichtig formulieren, dass ich die familiären Verhältnisse auch als sehr "einfach gestrickt" bezeichnen möchte, nach erster Einschätzung. Ich will jedoch nichts unversucht lassen, um der Auszubildenden zu helfen. Allerdings stoße ich meines Erachtens doch langsam an die Grenzen der Hilfestellung. Professionelle Hilfe, bei einem Psychologen, hatte ich auch bereits vorsichtig empfohlen. Gerade auch in Bezug auf die sich auf die Ausbildung auswirkende unstabile Situation in der Familie.

          Das gesamte Verhalten scheint mir auch auf psychische Störungen hinzudeuten, wo ich ehrlicherweise gestehen muss, dass ich keinerlei Erfahrungswerte besitze, wie ich damit umgehen soll. Anfang Januar habe ich dann noch einmal ein umfassendes Gespräch mit der Klassenlehrerin, wo ich gerne Ihre Vermutung auf soziale Phobie einmal ansprechen werde.

          Allgemein habe ich den Eindruck, dass langsam die Zeit etwas drängt, denn im Februar sind ja schon die Zwischenprüfungen und auf kurz oder lang halte ich es nicht mehr für tragbar, die Auszubildende nur noch durch die letzte Hälfte der Ausbildung "zu schleppen". Sofern sie sich - im positivsten Falle - für eine professionelle psychologische Hilfe entscheidet, bleibt die Frage, ob sich Erfolge noch im Rahmen der Ausbildung zeigen.

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            #6
            AW: Katastrophale Kommunikation und fehlende Einhaltung von Absprachen - bitte um Hil

            Hallo Hilde,
            da stecken eine ganze Reihe an Problemen drin.
            Sollte es sich um eine Essstörung handeln, sind Ihnen leider die Hände gebunden, so lange die Auszubildende nicht von sich aus zugibt darunter zu leiden. Sollte das der Fall sein, verweisen sie sie an eine professionelle Beratungsstelle. Unterstützen sie sie bei der Suche, den Rest muss sie aber alleine bewältigen.
            Das gleiche gilt bei einer psychischen Störung. So lange die Auszubildende selbst ihr Problem nicht anerkennt, haben sie wenig handlungsspielraum. Sie sind auch nicht ausgebildet, professionelle Hilfe zu leisten.
            Sie müssen sich immer klar machen, Sie sind die Ausbilderin, Sie haben nur begrenzt Möglichkeit Hilfestellung zu geben. Denken Sie daran, auch sich selbst zu schützen.
            Die Einschaltung des Ausbildungsberaters der Kammer war richtig. Bleiben Sie mit ihm weiter in Kontakt und besprechen Sie das weitere Vorgehen. Auch in wie weit sie noch die Möglichkeit haben, die Auszubildende außerordentlich (auf Grund der Abmahnungen) zu kündigen. Das kann problematisch werden.
            Wichtig finde ich an dieser Stelle, klare Verabredungen mit der Auszubildenden zu treffen, diese schriftlich fest zu halten und Konsequenzen anzudrohen, die sie auch einhalten können. Zum Beispiel das Aussprechen einer Abmahnung, wenn die Absprachen nicht eingehalten werden erfolgt eine weiter Abmahnung und nach der dritten Abmahnung aus demselben Grund erfolgt die Kündigung (Rücksprache mit dem Ausbildungsberater der Kammer, ob das noch möglich ist).
            Es hat keinen Sinn die Auszubildende "durchzuschleppen". Ihre Nerven leiden darunter, am Ende fällt sie durch die Prüfung, sie müssen die Ausbildung um ein halbes Jahr verlängern und eine Ünbernahme am Ende der Ausbildung ist sicher nicht gewünscht. So hart sich das anhört, aber die Auszubildende scheint "beratungsresistent" zu sein.
            Das Verhalten welches Sie beschreiben, Türen knallen und schreien, geht gar nicht.
            Sofern Sie den Eindruck haben, die Eltern/Mutter unterstützen Sie in der Ausbildung und stehen eher auf ihrer Seite, kann auch ein Gespräch zu viert erfolgen: Sie, der Ausbildungsberater der Kammer, Eltern/Mutter und Auszubildende. In diesem muss ganz klar die Situation und die möglichen Konsequenzen (Ausbildungsabbruch) aufgezeigt werden und dass Sie nicht länger bereit sind, das Verhalten der Auszubildenden zu tragen.
            Sie können auch vereinbaren, dass die Ausbildung nur unter der Voraussetzung fortgesetzt wird, dass sich die Auszubildende professionelle Hilfe sucht. Lassen Sie sich die Termine dann durch eine Bestätigug des Arztes belegen.
            Es ist schade, dass Sie mit ihrer ersten Auszubildenden eine solche Katastrophe erleben. Kopf hoch. Ich wünsche viel Erfolg.
            Grüße
            Martina Fischmann
            Talentefischer!

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              #7
              AW: Katastrophale Kommunikation und fehlende Einhaltung von Absprachen - bitte um Hil

              Du kannst da nichts mehr machen, warum solltest du mehr geben wenn du schon alles gegeben hast ? Wenn dein Azubi keine Lust hast, dann rede ernsthaft !
              Es ist fast wie im richtigen Leben... darum heißt das hier auch Erde und nicht Paradies.

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