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Grundsätzliches Motivationsproblem

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    Grundsätzliches Motivationsproblem

    Hallo community,
    ich bin mir jetzt nicht 100%ig sicher, ob das Thema hier passt, aber ich schildere einfach mal meine Situation:

    Ich bin Filialleitung eines mittelständischen regionalen Filialisten. Die Position habe ich seit etwa 2 Monaten nun inne. Was wohl etwas ungewöhnlich ist: ich bin anfang des Jahres erst mit der Ausbildung fertig geworden und habe gleich danach die Position übernommen. (Es ist allerdings eine andere Filiale als die, in der ich Ausbildung gemacht habe.)
    Meine eigene ehemalige FL und Ausbilderin war mehr als zufrieden mit mir und hat gesagt, dass sie mir den Posten absolut zutraut und mein oberster Chef kennt mich auch recht gut und hat mich eben zum Ende meiner Ausbildung gefragt, ob ich nicht in die andere Filiale als FL gehen würde, da er mit der jetzigen FL unzufrieden ist. Ich habe nach langem hin- und herüberlegen schließlich zugesagt.
    In meiner Ausbildungsfiliale hatte ich zuletzt auch oft mit den neuen Azubis zu tun und ich habe ihnen auch viel erklärt und beigebracht. Eine Azubine meinte zu mir, als das mit meinem zukünftigen Posten noch gar nicht offiziell war, dass ich bestimmt eine gute FL wäre, weil ich immer den Überblick über alles hab und auch so gut erklären könne... Diese Filiale war auch total toll, wir haben uns alle super verstanden, haben manchmal auch privat was gemacht, waren dem Unternehmen (allermeistens) absolut positiv eingestellt und loyal und alle waren sehr motiviert.
    Wir haben auch alle die notwendigerweise anfallenden Überstunden ohne zu murren akzeptiert (wir haben viel Saisongeschäft, wo dies einfach dazugehört, und ab und zu Abendveranstaltungen, die aber immer interessant sind und deswegen auch niemandem was ausmachen).

    Jetzt bin ich wie gesagt in einer Filiale, deren frühere FL dem Unternehmen nicht sehr positiv gegenüberstand und das leider auch so an die Mitarbeiter und Azubis weitergegeben hat. Und ich solls richten! Versteht mich jetzt nicht falsch, ich hab genau gewusst, auf was ich mich einlasse. Trotzdem ist es immer wieder aufs neue schwierig...
    Meine Mitarbeiter und Azubis machen quasi "Dienst nach Vorschrift". Wenn es mal ums Aushelfen geht, weil jemand krank ist, haben sie keine Zeit oder gehen nicht ans Telefon. Wenn ein Fortbildungswochenende für Azubis ansteht (zu dem ich immer gerne gegangen bin!) lassen sie sich krankschreiben.
    Jetzt hatte ich das erste Mal seit ich da bin 1 Woche Urlaub und als ich wiederkam, hat mich regelrecht der Schlag getroffen! Es waren teilweise Kundensachen nicht bearbeitet, Mails seit Tagen nicht gelesen bzw. berabeitet... und meine Stellvertretung habe ich an meinem Rückkehrtag nicht angetroffen, weil sie jetzt 3 Wochen nicht da ist...
    Einmal ist eine Azubine hinterrücks zum obersten Chef gerannt und hat sich einen freien Samstag "erstritten" (meiner Meinung nach), den ich ihr nicht gewährt habe, weil es personaltechnisch nicht ging. Sie hat es dann so hingestellt, als würde ich mich nicht für ihre Belange interessieren und hat es beim Chef so begründet, dass sie krank war und noch nicht wieder voll einsatzfähig ist (zu mir hat sie gesagt, dass sie auf eine Geb.feier will an dem Tag).

    Es ist halt so, dass ich mich auch erst in die Rolle als Führungskraft einfinden muss und vll. am Anfang auch Fehler gemacht habe (wer macht das nicht?) und ich manchmal vll. nicht konsequent genug war...
    Aber ich bin nach wie vor überzeugt, dass ich für die Position grundsätzlich geeignet bin.
    Es ist halt nur einfach schwierig in diesem Team Verhaltensweisen von 2 Jahren zu ändern (die Filiale gibt es erst seit 2 Jahren).
    Aber es ist halt so, dass die Leute es gar nicht anders kennen. Sie wissen nicht, wie es in einer organisierten Filiale zugeht. Sie haben es ja nie anders gekannt.

    Ich erhoffe mir einfach ein paar Tipps, wie ich die Leute besser motivieren kann...

    Ich weiß halt z.B. auch von 2 Azubis, die nächstes Jahr im Jan. fertig werden, dass sie nicht bleiben wollen.
    Aber eine will z.B. schon bleiben (und das ist aber auch die, die meinen Vorgänger absolut vergöttert... :/ )
    Meine Stellvertretung, bei der es grad um die Vertragsverlängerung geht, will auch bleiben, nimmt aber ihre Rolle als Stellvertretung wie ich jetzt gemerkt habe, anscheinend nicht ernst. Ich würde sie aber trotzdem gern behalten, weil sie noch die "motivierteste" von allen ist.

    Findet ihr, man kann seinen Mitarbeitern (alle zwischen 21 und 30 Jahren) einen Monat lang eine 6-Tage-Woche mit ca. 45h (vertraglich sind 40h) zumuten? Und einzelnen MA eine Woche mit ca. 55 h, weil in der Woche unglücklicherweise zusätzlich noch eine Abendveranstaltung und ein verkaufsoffener So. war und einfach nicht genug Personal vorhanden war (durch Berufsschulblock von 2 Azubis), um das auszugleichen? Zudem sind bei den betreffenden MA gerade Minusstunden vorhanden (ich sagte ja schon, dass es in dieser Branche Saisongeschäft gibt und wir in den saisonschwachen Phasen eben Minusstunden aufbauen um dann in den starken Phasen alle voll einsetzbar sind).

    Ich schreibe es deswegen in ein Ausbilder-Forum, weil meine Mitarbeiter größtenteils Azubis sind. Ich finde das in dem Fall nicht so schlimm, weil sie eben nicht mehr so jung sind, habe ich ja schon erwähnt (in unserem Betrieb ist Abitur Grundvoraussetzung für die Ausbildung, 2 Azubis haben schon ein abgeschlossenes Studium). Was ich damit sagen will, es sind nicht die "typischen" Azubis und sie sind auch nicht "jung und dumm" wenn ich das mal so salopp sagen darf...ich hoffe, ihr versteht, was gemeint ist.

    Ich weiß auch, dass Azubis Überstunden nur freiwillig machen dürfen, aber das ist halt einfach so üblich bei uns (es wurde vorher gesagt und wenn es einem nicht passt, hätte es immer noch die Möglichkeit gegeben, während der Probezeit zu gehen...) und wie gesagt, sie sind ja alle keine 15 mehr! Es gilt zwar das Berufsbildungsgesetz, aber das ist denke ich nicht für eine Zielgruppe von 20-30-jährigen mit teilw. Hochschulabschluss gemacht worden...

    Any comments?

    LG,
    Charlotte

    #2
    Neue Filialleitung und schwierige Azubis

    Hallo Charlotte,
    da sind Sie wirklich in eine schwierige Situation geraten.
    Spontan habe ich nur den einen Tipp: Reden, Reden, Reden...

    Als (frische) Führungskraft ist es absolut wichtig, dass Sie sich ganz eng mit Ihren Vorgesetzten absprechen und sie über alles informieren, was anliegt. Es darf nicht vorkommen, dass "hinterrücks" Ihre Mitarbeiter einen Ihrer Beschlüsse beim Boss kippen können, den Sie gefällt haben. Ich würde das auf jeden Fall sowohl mit den Chefs als auch mit der Azubine nochmals diskutieren.

    Alles was nicht richtig läuft, bedarf einer gründlichen und fairen Erörterung mit den Beteiligten.
    Machen Sie immer wieder deutlich, dass ein gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis besteht. Die Azubis brauchen auch Sie, wenn im Zeugnis eine positive Beurteilung stehen soll.
    Bestehen Sie darauf, dass die Arbeiten grundsätzlich von denen gemacht werden, die zuständig sind.
    Die Versuchung es selbst zu machen, um Ärger aus dem Weg zu gehen, liegt allzu nahe...

    Machen Sie ein "Wochengespräch"? Wenn nein, dann könnte es absolut hilfreich sein.
    Achten Sie darauf, dass Lob und Tadel immer ein ausgewogenes Verhältnis hat.

    Wenn das faire Miteinander nicht zu vernünftigem Ergebnis führt, dann auch nicht vor Abmahnung zurück schrecken, die natürlich vorher "angedroht" werden müssen.

    Wenn es gar nicht mehr geht, dann mit den Chefs eine Versetzung dieser Azubis diskutieren...

    Wenn Sie merken, dass es jemand nicht so gut geht, dann ein 4-Augen-Gespräch suchen um zu klären, sind es private oder geschäftliche Gründe. Die geschäftlichen sollten immer sofort geklärt werden.

    Vielleicht helfen Ihnen diese wenigen Tipps.

    Alles Gute!
    Konrad Heil
    Seelsorger
    Dipl.-Handelslehrer
    Dipl.-Betriebswirt (FH)

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      #3
      Überstunden

      Hallo Herr Heil,

      das mit dem "reden, reden, reden" ist mir klar...aber trotzdem manchmal schwierig
      Wochengespräche gibt es nicht, aber wir haben unternehmensintern das Instrument "Tagesziele", die die FL den MA geben soll, und über die der MA der FL dann am Ende des Tages Rückmeldung geben soll. Funktioniert aber nicht wirklich. :/ (--> weil ich ihnen IMMER hinterherrennen muss und keiner selbständig auf mich zukommt).

      Gott sei Dank steht mein Chef immer absolut hinter mir, auch bei der Sache mit dem freien Sa. Er hat halt nachgegeben weil er keinen Aufstand haben wollte. Mittlerweile weiß er aber Bescheid, wie die Geschichte wirklich gelaufen ist.

      Was sagen Sie zu dem Punkt mit den Überstunden? Das würde mich schon interessieren, was ein Außenstehender dazu sagt... Meine MA tun immer so, als wäre das der Horror überhaupt, in meiner alten Filiale hatten wir alle im Durchschnitt mehr Überstunden und niemand hat sich beschwert...

      Grüße,

      Charlotte
      Zuletzt geändert von Charlotte; 23.04.2012, 19:16.

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        #4
        Hallo Charlotte,

        natürlich sind Überstunden für jeden Mitarbeiter eine "bittere Pille", egal ob Azubi oder nicht.
        Da sind Sie immer in einem Interessenkonflikt zwischen Geschäftsleitung und KollegInnen.
        Nicht leicht für Sie...

        Einerseits wird ein gewisses Maß von Überstunden vermutlich von der Geschäftsleitung erwartet; andererseits zeigt sich gerade an der Bereitschaft, Überstunden zu leisten, die Motivation und Firmenloyalität.
        Aber die Frage ist bei geleisteten Überstunden vor allem, wie sie "abgebummelt" werden können/dürfen.
        Wenn Sie den Azubis sagen können, Überstunden="Freizeit auf Abruf", dann könnten sie sogar attraktiv sein.
        Wenn es aber Probleme macht, sie wieder in Freizeit umzuwandeln, dann ist es wenig motivierend...
        Vielleicht gibt es so eine Möglichkeit, "Überstunden-Bonbons" zu verteilen, damit es mehr Spaß macht...?
        Vielleicht sehen da Ihre Chefs Möglichkeiten für einen Motivationsanreiz...

        "Tagesziele" setzen und kontrollieren, empfinde spontan als zu kurzes "Gängelband".
        Der Feedback-Aufwand scheint mir sehr hoch zu sein...
        Beim Wochengespräch ist das etwas anderes, weil einfach mehr Themen sich ansammeln.

        Alles Gute!
        Konrad Heil
        Seelsorger
        Dipl.-Handelslehrer
        Dipl.-Betriebswirt (FH)

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          #5
          Guten Tag Charlotte und Herr Heil,

          es ist sicher wichtig, die Gründe für das Nichtabarbeiten von Aufträgen in Ruhe von den KollegInnen abzufragen- wobei es manchmal schwer sein kann dabei ruhig zu bleiben. Aber ich halte es für wichtig genau zu klären, warum jemand die ihm aufgetragene Arbeit nicht gemacht hat. Es können auch Gründe vorliegen, die nichts mit Mindermotivation zu tun haben. Wie wäre es denn, wenn Sie beim ungestörten Gespräch nach dem Urlaub mit Ihrer Stellvertreterin das Thema ansprechen, indem Sie erstmal mitteilen, dass Sie diese liegengebliebene Arbeit für sehr wichtig halten und Sie der "Schlag getroffen" hat?
          Damit sieht sie Ihre Haltung, aber ohne dass sie sich gleich in die Ecke gestellt fühlt. Es könnte ja eine nachvollziehbare Erklärung dafür geben- vielleicht aber auch nicht.

          Ich halte es in jedem Fall für unbedingt notwendig, ihr genau damit zu zeigen wieviel Ihnen ihre gute und sorgfältige Arbeit bedeutet. Das geht natürlich nur, wenn Ihnen das wirklich wichtig ist was ich natürlich nicht beurteilen kann. Wenn ja, müssen Sie das Ihr gegenüber unbedingt zum Ausdruck bringen. Denn eine Sache scheint klar zu sein: Wenn sie weiter imn der Filiale bleibt und und Sie beide gegeneinander arbeiten, verlieren alle Beteiligten: Sie, die Mitarbeiterin und die Firma. Wenn Sie danach wirklich ganz sicher sind, dass sie die berechtigten Ansprüche der Firma absichtlich boykottiert, ist das auch ein Schritt in Richtung einer Lösung.

          Vielleicht liege ich bei meinen nächsten Punkten komplett daneben: Ich habe den Eindruck, dass -zumindest im Bewusstsein der Azubis- "die Bilanz zwischen ihnen und der Firma nicht ausgeglichen ist". D.h. dass sie für das was Sie bekommen, nicht ausreichend zurück bekommen. Sie sagten ja, dass die Azubis ein Studium absoviert haben; dann haben sie über Ihre Situation sicher schon intensiver nachgedacht. Die Aussage "wenn einem die Überstunden nicht passen, kann er ja gehen bzw. soll wegbleiben" nutzt sich bei den Betroffenen schnell ab, wenn die Mehrleistungen einfach nur noch als Selbstverständlichkeiten und es keine -von den Betreffenden als solchen wahrgenommene- Wertschätzung gibt. Es ist nicht immer unbedingt mehr Geld , was für einen Ausgleich sorgen muss, aber hier könnte ein Grund für die Unlust der Azubis liegen, nach der Ausbildung im Unternehmen weiter zu arbeiten. Vielleicht ist auch nur mangelnde Transparenz für "ausgleichenden " Leistungen. Das kann man klären.
          Dass Überstunden müssen gemacht werden, ist sicherlich immer mal notwendig, aber die Begründung, weil Auszubildende im Berufsschulblock sind, spricht entweder für schlechte Einsatzplanung oder Personalmangel. Wenn wir vor dem Hintergrund des schon länger andauernden Fachkräftemangels von dem zweiten Fall ausgehen, läuft der gutgemeinte Vorschlag mit dem Versetzungsantrag für die ""Unwilligen" wahrscheinlich ins Leere.

          Herzliche Grüße

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            #6
            AW: Grundsätzliches Motivationsproblem

            Wie habe ihr das denn am Ende geregelt ?
            Es ist fast wie im richtigen Leben... darum heißt das hier auch Erde und nicht Paradies.

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