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Heterogenität in der Berufsausbildung

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    Heterogenität in der Berufsausbildung

    Wie allgemein bekannt gibt es seit einem Jahr den Modellversuchsschwerpunkt Neue Wege in die duale Ausbildung, Heterogenität als Chance für die Fachkräftesicherung. Ihr findet dazu weitere Informationen unter www.bibb.de/heterogenitaet. Wir möchten gerne mit euch ins Gespräch kommen. Bitte schreibt uns, wie Ihr mit heterogenen Lerngruppen umgeht und welche Erfahrungen es bei euch dazu gibt. Gerade angesichts des demografischen Wandels wird dieses Thema immer wichtiger.

    Helmut Ernst, wissenschaftliche Begleitung der Modellversuche
    Manfred Sczislo, BIBB

    #2
    Heterogenität in der Berufsausbildung

    Hallo Zusammen,
    zu dieser Thematik (Heterogene Lerngruppen in der Ausbildung) ist im W. Bertelmann Verlag ein "Leitfaden" in Heftform erschienen, den ich für foraus.de rezensiert habe. Sie finden die Rezension hier unter Publikationen, aber auch auf meiner website (www.adalbert-ruschel.de) unter Buchempfehlungen für Ausbilder.
    Ich bin sicher, dass die rückläufige Zahl der Ausbildungsplatzbewerber dazu führen wird, dass sich Betriebe auch um solche Jugendliche bemühen müssen, die man bisher für nicht ausbildungsfähig gehalten hat. Damit werden die hier gemeinten Gruppen und der Umgang mit ihnen für die betriebliche Berufsausbildung immer bedeutender.

    Mit freundlichen Grüßen
    Adalbert Ruschel
    Zuletzt geändert von martin.pfaff; 11.05.2012, 12:14.
    Adalbert Ruschel
    Professor i.R. Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg
    Autor und Ko-Autor von Büchern und Buchbeiträgen zur beruflichen Bildung

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      #3
      Heterogenität in der Berufsausbildung

      Beim Thema "heterogene Lerngruppen" wäre zunächst interessant zu erfahren, in welchen Kontexten - Ausbildungsbetrieb, Berufsschule, Überbetriebliche Lehrunterweisung (z.B. HWK) oder andere - solche Lerngruppen gebildet werden, wie groß diese Gruppen sind und welche heterogenen Merkmale sie aufweisen. Dann stellt sich für jede dieser Gruppen die Fragen, wo Probleme und Schwierigkeiten, aber auch positive Aspekte liegen und welche Wege und Ansätze es gibt, die ersteren zu überwinden und letztere zu nutzen.
      Gabriele Marchl, wissenschaftliche Begleitung der Modellversuche
      Zuletzt geändert von martin.pfaff; 21.05.2012, 11:47. Grund: Titel des Beitrags nachgetragen

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        #4
        Heterogenität in der Berufsausbildung

        Um Heterogenität in der Berufsausbildung zu fördern, ist Jugendwohnen trotz seiner langen Tradition immer noch eine innovative Antwort. Besonders wenn junge Menschen und freie Ausbildungsplätze am Wohnort nicht zueinander finden, ist Jugendwohnen eine sinnvolle Lösung und bietet gleichzeitig die Chance für potentielle Auszubildende, soziale Kompetenzen wie Selbstständigkeit, Teamfähigkeit, Flexibilität, formelles Lernen (z.B. in den Berufsschulen) und informelles Lernen (z.B. durch den Kontakt mit anderen jungen Menschen im Jugendwohnheim) infolge einer fortwährenden sozialpädagogischen Betreuung zu erweitern. Informationen finden sich auch unter folgender Website: www.projekt-jugendwohnen.de
        Zuletzt geändert von martin.pfaff; 21.05.2012, 12:49. Grund: Titel des Beitrags nachgetragen

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          #5
          Heterogenität in der Berufsausbildung

          Betrachtet man die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in der Region Westmecklenburg stellt man fest, dass diese kontinuierlich ein bis vier Jugendliche zur Sicherung des eigenen Fachkräftebedarfs ausgebildet haben. Hierbei konnten aus einer großen Anzahl von Jugendlichen der / die vermeintlich Leistungsstärkste ausgewählt werden. Um die Ausbildungsplätze heute zu besetzen, muss ein Unternehmen sich mit der Vielfalt der wenigen Bewerber/-innen auseinandersetzen, um den oder die passende Bewerber/-in auszuwählen. Hierbei müssen Kompromisse hinsichtlich der definierten Anforderungen eingegangen werden. Zu beobachten ist, dass dieses in erster Linie über die schulischen Leistungen erfolgt, was aber eng mit der Lern- und Leistungsbereitschaft, Konzentrationsfähigkeit und Selbständigkeit verkettet ist. Damit wächst letztendlich die Heterogenität der Gruppe der Auszubildenden im Unternehmen und stellt insbesondere die Ausbildungsverantwortlichen (ausbildenden Fachkräfte) vor neue Herausforderungen. Hier bedarf es einer externen Unterstützung, da es in den KMU sehr häufig kein hauptamtliches Berufsausbildungspersonal gibt. Ein Ansatz des Modellversuches „Vielfalt und Innovation“ in diesem Zusammenhang ist das „Externes Ausbildungsmanagement“ an diese neuen Anforderungen anzupassen.

          Ralf Marohn
          Projektleiter des Modellversuches

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            #6
            Anforderungen an Bewerber: Kompromisse

            Zitat von ralf.marohn Beitrag anzeigen
            Betrachtet man die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in der Region Westmecklenburg stellt man fest, dass diese kontinuierlich ein bis vier Jugendliche zur Sicherung des eigenen Fachkräftebedarfs ausgebildet haben. Hierbei konnten aus einer großen Anzahl von Jugendlichen der / die vermeintlich Leistungsstärkste ausgewählt werden. Um die Ausbildungsplätze heute zu besetzen, muss ein Unternehmen sich mit der Vielfalt der wenigen Bewerber/-innen auseinandersetzen, um den oder die passende Bewerber/-in auszuwählen. Hierbei müssen Kompromisse hinsichtlich der definierten Anforderungen eingegangen werden. Zu beobachten ist, dass dieses in erster Linie über die schulischen Leistungen erfolgt, was aber eng mit der Lern- und Leistungsbereitschaft, Konzentrationsfähigkeit und Selbständigkeit verkettet ist. Damit wächst letztendlich die Heterogenität der Gruppe der Auszubildenden im Unternehmen und stellt insbesondere die Ausbildungsverantwortlichen (ausbildenden Fachkräfte) vor neue Herausforderungen. Hier bedarf es einer externen Unterstützung, da es in den KMU sehr häufig kein hauptamtliches Berufsausbildungspersonal gibt. Ein Ansatz des Modellversuches „Vielfalt und Innovation“ in diesem Zusammenhang ist das „Externes Ausbildungsmanagement“ an diese neuen Anforderungen anzupassen.

            Ralf Marohn
            Projektleiter des Modellversuches

            Wir haben im Umfeld unseres Modellversuches einen Bildungsdienstleister kennengelernt, der in enger Kooperation mit Betrieben, Schulen, Arbeitsverwaltung, Sponsoren und vhs einen direkten Übergang von der Schule in eine betriebliche Ausbildung gestaltet.
            Die Schulen schlagen Kandidaten/Bewerber aus Abgangsklassen vor, ohne die Zeugnisse offenzulegen. Die Schüler qualifizieren sich Freitagnachmittags und Samstagsvormittags in den Werkstätten des Bildungsdienstleisters. In den Ferien absolvieren die Schüler Praktika in den kooperierenden Betrieben. Auf der Abschlußveranstaltung (einem Samstag!) des ersten Durchlaufs haben die Schüler (11 von 17) ihre Ausbildungsverträge erhalten. Das zentrale Kriterium für die Übernahme in die Ausbildung ist die durch das kontinuierliche Engagement in der Freizeit belegte Motivation und das Durchhaltevermögen.
            Alle Beteiligten waren sich einig, diese Initiative fortzusetzen zu wollen.

            Wilhelm Termath
            Modellversuch "KobA"

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              #7
              Heterogenität in der Berufsausbildung

              Nicht aus den Augen zu verlieren ist, dass die zunehmende Heterogenität der Auszubildenden das Ausbildungspersonal vor immer komplexere Aufgaben stellt, denen sie mit dem, in ihrer eigenen Ausbildung vermittelten, Kernwissen in immer geringerem Umfang gerecht werden können. Erschwerend kommt hinzu, dass gerade in der betrieblichen Ausbildung in kleineren Unternehmen meist Fachkräfte mit einer mehr oder weniger professionellen pädagogischen Ausbildung betraut werden, die selbst einschätzen, dass sie sich mit den wachsenden komplexen Problemlagen ihrer Auszubildenden immer stärker überfordert fühlen. Kritisch ist auch anzumerken, dass der inhaltliche Umfang der Ausbildereignung nach AEVO kaum noch den heutigen Anforderungen einer qualifizierten Ausbildung entspricht. Daneben können kleine Ausbildungsbetriebe immer weniger, die oft notwendige sozialpädagogische Betreuung und Beratung für Jugendliche mit multiplen Eignungsvoraussetzungen abdecken, ohne selbst in wirtschaftlich in Bedrängnis zu kommen.
              Eine völlig andere Dimension erreichen die angespannte Ausbildungsplatzsituation und der Run auf die besten Auszubildenden im Verhältnis der ausbildenden Unternehmen untereinander. Die wachsende Konkurrenz um die geeigneten Auszubildenden macht eine Zusammenarbeit der Unternehmen in der Ausbildung bspw. in der Verbundausbildung oder mit Bildungsdienstleistern in der außerbetrieblichen Ausbildung immer unwahrscheinlicher. Die langen Jahre erfolgreich praktizierten Modelle der Verbundausbildung werden durch einen sich zuspitzenden Verdrängungswettbewerb unterhöhlt und lassen kleine Unternehmen und Handwerksbetriebe zum Verlierer am Ausbildungsmarkt werden.
              Für die Auszubildenden bedeutet es, dass sich durch die veränderten ökonomischen Rahmenbedingungen aufgrund der demografischen Entwicklung ein neuer Blickwinkel auf die Verwertbarkeit ihrer beruflichen Ausbildung ergibt. Berufliche Qualifikationen unterliegen durch die heutige dynamische Entwicklung einer schnelleren Halbwertzeit, können schneller veralten und neue Ausbildungsmodelle können flexibler auf die Bedarfe der Unternehmen reagieren. Voraussetzung bleibt jedoch eine solide berufliche Ausbildung, die eine Erhöhung der Einstellungs- und Übernahmechancen ausreichend qualifizierten Fachkräfte in der kommenden Zeit erhöhen wird. Ein wesentlicher Schwerpunkt der Modellversuche ist, Unterstützungsleistungen gerade diesen kleinen Unternehmen im Handwerk und im Dienstleistungsbereich anzubieten, um ihre Chancen auf dem Ausbildungsmarkt zu verbessern.

              Heidi Felsche, wissenschaftliche Begleitung der Modellversuche
              Zuletzt geändert von martin.pfaff; 29.05.2012, 12:52. Grund: Titel des Beitrags nachgetragen

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                #8
                Heterogenität in der Berufsausbildung

                Ausbildung in Teilzeit und Ausbildungsmarketing
                Was hindert Betriebe daran, trotz drohenden Fachkräftemangels noch mehr auszubilden. Bleiben die Ausbildungsplätze leer, weil es keine geeigneten Bewerber gibt? Suchen Jugendlicher eher eine schulische Ausbildung, bevor sie sich um eine Lehrstelle im dualen System bemühen. In vielen Betrieben und Projekten, so auch im Modellversuchsschwerpunkt "Neue Wege in die
                duale Ausbildung – Heterogenität als Chance für die Fachkräftesicherung" werden neue Wege beschritten. Neulich hatten wir Gelegenheit, an einem Workshop der Kontaktstelle Frau und Beruf an der IHK Ulm teilzunehmen, da ging es um die Teilzeitausbildung für Alleinerziehende Väter und Mütter. Das Interesse der anwesenden zahlreichen Betriebe an diese Ausbildungsform war sehr groß und sie wünschten sich noch mehr Unterstützung und Beratung. Bildungsdienstleistern eröffnet sich hier ein neues Handlungsfeld. Besonders überzeugend waren die Erfahrungsberichte eines Unternehmers und einer Auszubildenden mit dieser Ausbildungsform. Gibt es auch bei Euch Erfahrungen?
                Ausbildungsmarketing ist ein weiteres Thema. Es geht nicht nur um Flyer, Annoncen und Bildungsmessen. Auch hier sind wir gespannt auf Eure Erfahrungen. Wie können Auszubildende in ihrer Vielfalt und Heterogenität mit den Unternehmen zusammen gebracht werden? Viele Betriebe wissen genau: Es geht nicht um die vermeintlich Besten, also die mit den besten Schulzeugnissen, sondern um die Jugendlichen, die für den Beruf geeignet sind und die sich mit ihrem neuen Ausbildungsbetrieb identifizieren können. Wir sollten weiter darüber diskutieren. Ich freue mich jedenfalls darüber, dass unser Pinnwandthema so ein großes Interesse gefunden hat.

                Beste Grüße
                Helmut Ernst
                Zuletzt geändert von martin.pfaff; 31.05.2012, 08:17. Grund: Titel des Beitrags nachgetragen

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                  #9
                  Ausbildungsmarketing

                  Ausbildung ist und wird auf Grund der demografischen Entwicklung und der zunehmenden Heterogenität der Auszubildenden nicht leichter, sie ist aber zur Sicherung des zukünftigen Fachkräftebedarfs in den kleinen und mittleren Unternehmen alternativ los. Bereits vor Beginn der Ausbildung müssen die Unternehmen immer größere Anstrengungen unternehmen, um ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Dieser Prozess umfasst die Gewinnung von Jugendlichen für eine duale Ausbildung, der Auswahl von geeigneten Jugendlichen und vor allem die Bindung der Jugendlichen an das Unternehmen bis zum Ausbildungsstart.
                  Zurzeit ist das Verhältnis von Schulabgängern zu Ausbildungsplätzen in der Region Westmecklenburg 1:2. Das bedeutet, dass die Jugendlichen sich bei entsprechenden Leistungen ihren zukünftigen Ausbildungsplatz aussuchen können. Dieses führt dazu, dass frühzeitig geschlossene Ausbildungsverträge wieder gelöst werden oder Schulabgänger mehrere Ausbildungsverträge abschließen und sich dann sehr kurzfristig für einen Ausbildungsbetrieb entscheiden. Hieraus ergibt sich eine neue Herausforderung für die Unternehmen – die enge Bindung der Jugendlichen an das Unternehmen. Erste Erfahrungen im Modellversuch zeigen, dass über die Mitgestaltung des Berufsorientierungsprozess an Schulen ein langfristiger Bindungsprozess erfolgen kann. Handlungsorientierte Angebote für Jugendliche am Lernort Betrieb führen häufig zu einem ersten Kontakten und Kennenlernen. Ein solches Angebot wäre zum Beispiel eine Betriebserkundung. Interessierten Jugendlichen könnte dann ein Betriebspraktikum angeboten werden, welches dann bereits zu einem intensiveren kennenlernen führt. Wenn ein beiderseitiges Interesse besteht, muss dieser Prozess seitens des Unternehmens weiter gestaltet werden.
                  In diesem Zusammenhang ist die Willkommenskultur in den Betrieben von außerordentlicher Bedeutung. Jugendliche spüren sehr genau ob es dem Unternehmen mit ihnen ernst ist und schlussfolgern daraus auf die Ausbildungskultur. Auszubildende betonten in Gesprächen, dass die familiäre Atmosphäre vor allem in kleinen Unternehmen ein Grund war, sich für ein solches Unternehmen zu entscheiden.

                  Ralf Marohn
                  Modellversuch "Vielfalt und Innovation"

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                    #10
                    Nachqualifizierung unter Nutzung von Zeitarbeit

                    Abschlussorientierte modulare Nachqualifizierung ist ein Weg zum Berufsabschluss, der auch vom BMBF-Programm "Perspektive Berufsabschluss" gefördert wird. Die Teilnehmer erwerben praktische Kenntnisse in Unternehmen und/oder bei Bildungsdienstleistern.
                    In unserem Modellversuch "Brücke in die duale Ausbildung (BridA)" untersuchen wir im Teilprojekt Zeitarbeit, ob der Erwerb von Praxiskenntnissen auch im Rahmen einer Beschäftigung in Zeitarbeit erfolgen kann. Zielgeruppe sind Ausbildungs- und Studienabbrecher, junge Leute, die ihren erlernten Beruf nicht mehr ausüben können oder wollen und schulmüde Jugendliche, die zwar arbeiten und Geld verdienen wollen, aber nicht mehr für Schule motiviert sind.
                    Ein erstes Pilotprojekt ist erfolgreich angelaufen.
                    An der weiteren Erprobung interessierte Zeitarbeitsfirmen, können noch am Projekt mitarbeiten. Auf diesem Weg können zusätzliches Fachkräfte gewonnen werden. Darüber hinaus zeigen die beteiligten Zeitarbeitsunternehmen Interesse an der Entwicklung Ihrer externen Mitarbeiter und heben sich von Mitbewerbern, die nur von Personaldisposition leben, ab.

                    Jürgen Reißmann, Modellversuch BridA
                    Zuletzt geändert von reissmann.j@gesa-ag.de; 20.06.2012, 13:02.

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                      #11
                      Ausbildungsorientierte Alphabetisierung

                      7,5 Millionen Menschen zwischen 18 und 64 Jahren verfügen laut der leo. - Level-One Studie (2011) der Universität Hamburg in Deutschland über unzureichende Schriftsprachkenntnisse. Die Problemlage wird verschärft, wenn man bedenkt, wie viele Jugendliche jährlich die Schule mit Schriftsprachkenntnissen auf dem untersten Kompetenzniveau verlassen und in der Studie noch nicht erfasst sind. Ein Großteil dieser Jugendlichen mündet nach Beendigung der allgemeinbildenden Schulzeit in die Erwerbslosigkeit und oftmals in Bildungsangebote am Übergang Schule-Beruf. Ein anderer, kleinerer Teil der Jugendlichen schafft den Übergang in eine betriebliche Ausbildung. Oftmals brechen diese Jugendlichen die Ausbildung vorzeitig und ohne Abschluss ab. Aufgrund der zunehmenden Fachkräfteknappheit in einigen Branchen und Regionen werden leistungsschwächere Jugendliche zukünftig als Arbeitskräftepotenzial an Bedeutung gewinnen.
                      Als einer der BIBB-Modellversuche im Förderschwerpunkt Heterogenität unterstützt das f-bb betriebliches und außerbetriebliches Bildungspersonal darin, Schriftsprach- bzw. Grundbildungsdefizite bei Jugendlichen zu erkennen. Durch geeignete Förderinstrumente können diese Jugendlichen in ihren noch nicht ausgeprägten Grundbildungskenntnissen unterstützt und an Ausbildung herangeführt werden. Wichtig dabei ist uns, dass diese Jugendlichen im Sinne des Inklusionsgedankens integrativ in der Gruppe gefördert werden. Das f-bb entwickelt und erprobt hierzu gemeinsam mit Betrieben, Bildungseinrichtungen und Wissenschaftsexperten entsprechende Ansätze und bietet Workshops an. An einem Austausch zu diesem Thema sind wir jederzeit interessiert.
                      Zuletzt geändert von Kathleen Rothe; 03.07.2012, 10:21.

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                        #12
                        Ausbildungsorientierte Alphabetisierung

                        Hallo Frau Rothe,
                        das Thema macht mir auch schon seit einiger Zeit Sorgen, genau genommen beschäftigt es mich schon seit über vierzig Jahren - unter unterschiedlichen Gesichtspunkten. So kam Einiges zusammen. Es gab auch hin und wieder einen kleinen Zeitschriftenbeitrag dazu.
                        Jetzt habe ich mich entschlossen, aus dem gesammelten Material ein Buch zu machen. Das Typoskript dazu liegt seit einigen Tagen beim Kiehl Verlag und wird, wenn dem Verlag kein besserer Titel einfällt, demnächst wie folgt veröffentlicht:

                        Förderung der Lesekompetenz in der Berufsausbildung : Handreichung für Ausbilderinnen und Ausbilder und Lehrerinnen und Lehrer

                        Den letzten Anstoß zur Buch-Veröffentlichung gab eine Fachtagung "Deutsch und Basisqualifizierung im Betrieb" im März d.J. in Hamburg. Wenn die Unternehmen als Auszubildende nehmen müssen, was sich ihnen bietet - und das werden sie -, dann wird eine Riesenherausforderung auf sie zukommen: Nachqualifizierung von Abgängern aus allgemeinbildenden Schulen in den so genannten funktionalen Techniken. Ob die Ausbilderinnen und Ausbilder sich der Aufgabe überhaupt stellen können, wird von ihrer Bereitschaft abhängen, sich dafür zu qualifizieren. Für Amateure ist das nichts! Die gelegentlich zu hörende Hoffnung auf die allgemein-bildenden Schulen kann ich nicht teilen.
                        Wir werden sehen.

                        Mit freundlichen Grüßen
                        Adalbert Ruschel
                        Adalbert Ruschel
                        Professor i.R. Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg
                        Autor und Ko-Autor von Büchern und Buchbeiträgen zur beruflichen Bildung

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                          #13
                          Heterogenität in der Berufgsausbildung

                          In den KMU in der Region Niederbayern/Hinterer Bayerischer Wald finden ebenfalls breite Ausbildungsaktivitäten statt, die unmittelbar auf den Fachkräftebedarf bezogen sind. Die demographische Problematik wird an den sinkenden Bewerberzahlen sichtbar, wobei hier noch der Abwanderungsdruck in die größeren Städte sowie zu renommierten Konzernen – vor allem BMW, der in der Region über 20 000 Leute beschäftigt – hinzu kommt. Unter den KMU der Region finden sich zahlreiche sehr leistungsfähige Unternehmen aus technischen Bereichen (Verfahrenstechnik, Maschinenbau)

                          Die klassischen betrieblichen Verfahren zur Bestimmung der Ausbildungseignung eines jugendlichen Bewerbers um einen Ausbildungsplatz stellen gemäß unseren Ergebnissen eine Mixtur aus einer an die Schulnoten oder vergleichbare Tests geknüpften generalisierten Leistungsvermutung und von auf allgemeine Verhaltens- und Selbstpräsentationsmerkmale gestützte Einschätzungen der erwartbaren ausbildungsbezogenen Verhaltensweisen dar, die als erforderlich erachtet werden, um im Betrieb eine bestimmte Berufsausbildung erfolgreich durchhalten und auch bestehen zu können.

                          Dabei geht der Betrieb davon aus, dass er
                          1. die am besten geeigneten Bewerber ermitteln und für sich gewinnen möchte und
                          2. dies durch die bezeichnete Vorgehensweise auch gelingt.

                          Hier setzt unser Modellversuch an: Angesichts von immer weniger jungen Leuten, die sich um einen Ausbildungsplatz bewerben, geht es für die Betriebe in Zukunft zuallererst darum, überhaupt geeignete Auszubildende ausfindig zu machen und für ihr Ausbildungsangebot zu gewinnen. Dies impliziert, dass auch heterogene Gruppen von Jugendlichen Berücksichtigung finden müssen, was in der bezeichneten Region vor allem lernschwächere und mit schlechteren Schulabschlüssen ausgestattete junge Leute betrifft. Bei diesen greift das auf subrationalen Erfahrungswerten beruhende, auf bestimmte persönliche Verhaltensmerkmale fokussierte Bauchgefühl der Ausbildungsverantwortlichen nur eingeschränkt, da in diesen Erfahrungswerten wegen der bisherigen Auswahlstrategien die heterogenen Gruppen eben nicht berücksichtigt sind.

                          Daraus folgt für unseren Modellversuch ein auf die Ergebnisse der Berufspädagogik bezogener, kompetenzorientierter Ansatz, der von den wirklichen Anforderungen, die der Betrieb im Rahmen des Ausbildungsverlaufs an die Auszubildenden heranträgt und deren Systematisierung ausgeht.

                          Damit rücken die Lern- und praktische berufsbezogene Handlungsfähigkeit der Jugendlichen in den Fokus, was impliziert, dass Auszubildende als lernende und entwicklungsfähige junger Menschen gedacht werden, bei denen sich die Vorstellung, sie müssten schon alle „idealen“ Eigenschaften des künftigen Facharbeiters mit sich bringen, schon qua berufspädagogischer Einsicht verbietet. Ebenso versuchen wir zu verdeutlichen, dass die abstrakten Schulnoten zusammen mit heuristischen personen- oder verhaltensbezogenen „Markern“ weder die Lernbereitschaft und –fähigkeit, noch die handlungspraktischen Erfahrungen und Kompetenzen der Jugendlichen hinreichend berücksichtigen.

                          Rainer Schreiber
                          Projektleiter des Modellversuchs
                          Zuletzt geändert von martin.pfaff; 03.07.2012, 14:15. Grund: Titel des Beitrags nachgetragen

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                            #14
                            Heterogenität in der Berufsausbildung

                            Das Thema „Heterogenität“ in der Berufsausbildung hat nicht nur in der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft eine wichtige Bedeutung, sondern auch in der Bildung gewinnt es immer mehr an Gewichtung und Bedeutung. Mittlerweile haben viele Unternehmen durch den drohenden Fachkräftemangel erkannt und akzeptiert, dass für die Gewinnung und Einbeziehung ihres Nachwuchses unterschiedliche Strategien eröffnet werden müssen, um Jugendliche mit Vermittlungshemmnissen in die duale Berufsausbildung aufzunehmen. Das externe Ausbildungsmanagement ist eine wichtige Strategie, auf die viele KMU zurückgreifen. Um in Zukunft ein funktionierendes Ausbildungsmarketing zu etablieren, muss in abgestimmter Zusammenarbeit zwischen KMU und externen Akteuren ein funktionierendes Ausbildungsmarketing etabliert werden. Im Projekt „Heterogenität in Berufsorientierung und Ausbildung“ von der Arbeitsgemeinschaft selbstständiger Migranten e.V. wurde hierzu der Runde Tisch geschaffen. Die Idee, die hinter dem Runden Tisch steckt ist, Lehrer, Träger und Institutionen über die Unübersichtlichkeit des Hamburger Ausbildungsmarktes und Ausbildungssituation zu informieren und einen aktuellen Fachaustausch unter Trägern und Institutionen anzuregen.
                            Die Perspektive ist, langjährig einen Austausch zwischen den Trägern und Institutionen herzustellen und die Kooperation untereinander - besonders in Bezug zu Berufsorientierungsthemen - zu verstärken.

                            ASM e.V.
                            Zuletzt geändert von martin.pfaff; 09.07.2012, 12:02. Grund: Titel des Beitrags nachgetragen

                            Kommentar


                              #15
                              Heterogenität in der Berufsausbildung

                              Die Idee einen "Runden Tisch" zu etablieren finde ich, ist ein sehr produktiver Ansatz, da hier die Möglichkeit besteht, Informationen schnell und effizient weiterzutragen. Zudem wird dadurch der gesamte Matchingprozess "entbürokratisiert" und gewinnt eine eigene Dynamik, die nur förderlich sein kann. Vielerorts gibt es zwar langjährige Netzwerke, die aber oft genug nur formal existieren und deren Informationsfluss deshalb träge und langatmig ist. Die regionalen Möglichkeiten und Ressourcen bleiben dabei oft ungenutzt und viele lohnende Bemühungen scheitern an starren Strukturen. Alle beteiligten Akteure zusammenzubringen und damit die "kurzen Wege" zu nutzen, bringt langfristig mehr Synergien, eine bessere Transparenz und eine Stärkung der Verantwortlichkeiten auf allen Seiten. Einen weiteren positiven Effekt sehe ich darin, hier wirklich eine individuelle und passgenaue Förderung und Begleitung zu installieren, aber auch konkrete Forderungen an Bewerber/innen und Unternehmen zu formulieren.

                              Heidi Felsche, wissenschaftliche Begleitung der Modellversuche
                              Zuletzt geändert von martin.pfaff; 10.07.2012, 14:07. Grund: Titel des Beitrags nachgetragen

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