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    Hallo zusammen,

    wir arbeiten in der it beratung für ein mittelständisches produzierendes unternehmen mit weltweiten standorten. bin nun seit etwa drei jahren dabei und habe mich in meinem thema zum alleinigen experten entwickelt. Mit dem tagesgeschäft (betreuung des bestehenden it systems) und projekte / it rollouts bin ich bereits über 100% ausgelastet, sodass schon viel zu viele überstunden angefallen sind. einmal die woche hatte ich einen studenten zur unterstützung für das tas tagesgeschäft und in den semesterferien hat er auch bei rollouts im ausland unterstützt. hat gut funktioniert. anfänglich war es für mich schwierig mit seinen ganzen fragen klarzukommen. aber da er nur 1x pro woche da war ging das und mit der zeit war seine unterstützung auch immer hilfreicher.

    mitte des jahres gab es eine umstrukturierung der it organisation. mein damaliger projektleiter ist aufgestiegen und wurde mein chef. er hat jetzt einen weiteren dualen studenten ins team gezogen seit september, den wir dann auch nach seinem studium übernehmen möchten. prinzipiell macht er auch nen guten job. allerdings ist er aber zwischen 3 und 5 tage pro woche da und das macht das ganze viel betreuungsintensiver. jetzt hat er noch einen zweiten studenten geholt, der seine bachelorarbeit bei uns schreiben möchte. nach bedenken meinerseits ist mein chef insoweit auf mich zugekommen, dass er zumindest die betreuung seiner bachelor arbeit übernimmt.

    für mich gestaltet sich der arbeitsalltag nun komplett anders als früher. ich habe die beiden anfangs neben mich gesetzt und übliche themen gezeigt, damit sie diese dann auch übernehmen können. jetzt übernehmen sie dann aufbereitet diese support themen. allerdings kommt es da dann natürlich auch immer wieder zu situationen bei denen sie nicht weiterkommen und dann unterbrechen sie mich nitten in der arbeit. ich habe bereits regeltermine eingestellt alle 2 tage, damit offene fragen besprochen werden können. das funktioniert mehr oder weniger, da ich aufgrund anderer themen kaum dazu komme mir dafür wirklich dann auch die zeit zu nehmen. ausserdem habe ich seit der betreuung der beiden eine permanente innere anspannung irgendwas falsch zu machen im menschlichen umgang oder einfach dinge zu vergessen. vereinzelt sind jetzt auch schon wichtige themen runter gefallen, weil ich immer wieder den fokus verliere.

    abgesehen von dem werksstudenten früher habe ich noch keine erfahrung mit der betreuung von berufseinsteigern. angedacht ist ein ada schein für nächstes jahr. angesichts der anstehenden projekte sehe ich aber auch nicht wo das noch reinpassen soll.. alles in allem ziemlich blöde situation und ich weiss nicht wirklich weiter.

    bisher coacht mich nur mein chef bei der betreuung. und er ist mehr der typ der leute einfach ins kalte wasser wirft. ich habe aber oft bedenken ob das so richtig ist. wenn dann was nicht läuft oder fehler passieren, weil ich nicht ausreichend ihre arbeit kontrolliert habe, trage schlussendlich ich die verantwortung dafür. wenn unsere kunden nicht liefern können, entstehen unsummen an kosten und es gibt unangenehme eskalationen.

    habt ihr tipps für mich, wie ich mit der situation am besten umgehen kann?

    Danke und viele grüsse,
    gim

    #2
    Hallo Gim62,

    jaja, die stressige IT-Branche. Ich selbst bin Ausbilder für Fachinformatiker Anwendungsentwicklung, aber ich glaube, dass es im Bereich der IT-Dienstleistungen noch schwieriger ist, Zeit für eine gute Betreuung der Azubis zu finden.

    Kannst du vielleicht irgendwelche "Synergieeffekte" nutzen und z.B. vorhandenes Schulungsmaterial für die selbstständige Einarbeitung verwenden? Oder gibt es "kleine" Aufgaben, die schon immer mal erledigt werden sollten, aber wenig Fachexpertise erfordern (z.B. Dokumentation, Kabel beschriften usw.)? Das wären Kandidaten für einen einfachen Einstieg ins Tagesgeschäft.

    Ansonsten kann sich bei wenig Zeit vielleicht der Azubi neben dich setzen und dir erstmal nur bei der Arbeit zuschauen und sich Notizen machen. Oder du nimmst ihn einfach mit zu Kundenterminen und er erledigt Einstiegsaufgaben wie Protokollführung usw. Das mache ich mit meinen Azubis auch: Sie müssen alle Sitzungsprotokolle schreiben. Das entlastet mich und außerdem müssen sie dann im Nachhinein recherchieren, wenn sie Begriffe nicht kennen usw. Eine einfache Art, das Wissen im Unternehmen zu verteilen.

    Alternativ kannst du vielleicht für allgemeine Themen (z.B. Netzwerktechnik, Programmierung) auf (kostenfreie) Internetressourcen zurückgreifen. Es gibt inzwischen viele gute Seiten mit Schulungsmaterial gerade für den IT-Bereich.

    Zuletzt kann ich nur den Tipp geben: Trau dich, Aufgaben zu delegieren. Durch die zusätzliche Belastung mit den Azubis musst du einfach umdenken und kannst nicht mehr alles selbst übernehmen. Das muss dein Chef auch einsehen. Eine gute Ausbildung kostet Zeit. Und es wird vielleicht auch nicht mehr immer alles zu 100% erledigt. Aber nach einer gewissen Einarbeitungszeit wirst du ganz sicher entlastet und ihr könnt langfristig mehr Aufgaben abarbeiten.

    Viele Grüße!
    Stefan

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      #3
      Zitat von stefan.macke Beitrag anzeigen

      Zuletzt kann ich nur den Tipp geben: Trau dich, Aufgaben zu delegieren. Durch die zusätzliche Belastung mit den Azubis musst du einfach umdenken und kannst nicht mehr alles selbst übernehmen. Das muss dein Chef auch einsehen. Eine gute Ausbildung kostet Zeit. Und es wird vielleicht auch nicht mehr immer alles zu 100% erledigt. Aber nach einer gewissen Einarbeitungszeit wirst du ganz sicher entlastet und ihr könnt langfristig mehr Aufgaben abarbeiten.

      Stefan
      Diese Erfahrung ist Gold wert! Es hat lange bei mir gedauert, bis ich mich persönlich davon überzeugen konnte und bis ich mich selbst dazu auch entscheiden konnte, Aufgaben zu delegieren. Der A-Ha-Effekt kam prompt Die Aufgabe wurde - wie hatten wir das damals noch gelernt, dem Auszubildenden etwas beizubringen? - fast tadellos ausgeführt und ich hatte wieder mehr Zeit Du musst Dich in die Rolle ebenso langsam einarbeiten , wie der Azubi auch. Nutze das Wissen vom Azubi, denn der wird nicht ganz unerfahren sein

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        #4
        Hallo Gim62,

        zuerst einmal: Meinen tiefsten Respekt, dass du dir trotz deines stressigen Alltags scheinbar dennoch Gedanken um deine dir anvertrauten "Schützlinge" machst. Ich habe schon ähnliche Situationen erlebt, in denen die Auszubildenden (oder DH-Studenten) am Ende mehr oder weniger sich selbst überlassen wurden.

        Da ich selbst aus der IT-Branche komme, weiß ich, dass es (gerade in der Beratung) oftmals zu Stress und Zeitdruck kommen kann. Vor allem wenn man eigentlich zu wenig Ressourcen für die anfallenden Arbeiten zur Verfügung stehen hat. Natürlich hast du da nicht die Zeit, die den ganzen Tag lang um die Auszubildenden zu kümmern (auch wenn das natürlich der Idealfall wäre), aber das musst du auch gar nicht.

        Gerade zum Berufsbild eines IT'lers gehört es doch auch, sich selbst in neue Themen einzuarbeiten und sich Wissen selbst anzueignen - durchaus auch durch "Try and Error". Das können auch Azubis tun. Es gibt doch heute glücklicherweise viele tolle Ressourcen im Internet, mit deren Hilfe man sich Wissen im IT-Bereich aneignen kann.

        Wir setzen bei uns beispielsweise mittlerweile immer mehr auf E-Learning, z. B. durch Portale wie udemy oder Pluralsight. So teuer sind die Kosten da gar nicht, wenn man mal die zeitlichen Ersparnisse dagegenrechnet. Natürlich gibt es auch viele kostenlose Quellen zu den verschiedensten IT-Themen.

        Wenn bei uns ein neuer Azubi anfängt, dann bekommt er zunächst die Aufgabe, ein Spiel zu programmieren - z. B. Pacman. Also eine Aufgabe, die erst einmal völlig losgelöst vom Arbeitsalltag ist, um sich in die Thematik mit Hilfe von Anleitungen, Dokumenationen oder Videos einzuarbeiten. In regelmäßigen gibt es immer wieder Termine, an dem der Azubi seinen Fortschritt präsentiert und man gemeinsam die erarbeiteten Dinge oder offene Fragen klärt. Die Termine finden ganz am Anfang natürlich häufiger statt als später, da der Azubi zu Beginn einfach mehr Betreuung braucht.

        Ist er mit dieser Aufgabe fertig, wird er langsam an den Arbeitsalltag herangeführt, beispielweise durch das Fixen von (nicht ganz so kritischen) Softwarebugs. Das können bei dir natürlich ganz andere Themen sein. So kann man den Azubi aufbauen und er wird immer mehr in den Arbeitsalltag integriert. Irgendwann wirst du ihm auch schon immer komplexere Aufgaben / Themen übergeben können, die der Azubi dann bearbeiten kann.

        Jemanden ins kalte Wasser zu werfen, hört sich natürlich erst einmal nicht so schön an. Aber die Erfahrungen und Eindrücke, die sich der Azubi dadurch selbst aneignen kann, wird er nie wieder vergessen. Und du wirst merken: Das Wasser wird schneller wärmer, als du vielleicht denkst.

        Viele Grüße
        Simon
        Gründer der AEVO Akademie, Online AEVO Prüfungsvorbereitung ➽ Tipps & Tricks für angehende Ausbilder ➤ www.aevoakademie.de

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          #5
          ... und den AdA Schein kann man prima nebenberuflich machen. Habe ich auch so gemacht, geht zeitlich ganz gut. Der Zeitaufwand hält sich dafür in Grenzen, und man lernt in diesem Zug wirklich persönlich etwas bezüglich Lehrmethoden dazu. Kann ich nur empfehlen!

          grüße

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