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Lehrlinge anlocken?

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  • Lehrlinge anlocken?

    Guckt mal, nun gibt es sogar Ausstellungen in Museen, um Ausbildende anzulocken. Sie lassen sich so viel einfallen, damit nicht alle studieren gehen. Aber mehr Geld und eine höhere Bewertung kriegen die Auszubildenden natürlich nicht. Da kann man ja nur die Augen verdrehen.
    http://www.sueddeutsche.de/bildung/e...dium-1.1935764

  • #2
    AW: Lehrlinge anlocken?

    Hallo Herr Hatoxu,

    leider übersehen Sie aber, dass viele Schulabgänger einfachste Grundlagen wie Rechen, Lesen und Schreiben oft nicht beherrschen. Heutzutage kann jemand den Realschulabschluss erlangen, ohne Lesen, Rechnen und Schreiben zu können. DAS IST EINE KATASTROPHE und auch ein Grund dafür, mehr und mehr Abiturienten als Arbeitgeber einzustellen.

    Wenn Sie sehen würden, welche katastrophalen Bewerbungen auf Ihren Tisch gelangen, dann schütteln Sie oft nur noch den Kopf. Sie müssen bedenken, dass eine Ausbildung rund 80.000 Euro kostet. Die Mehrzahl an kleineren Ausbildungsbetrieben kann es sich einfach nicht leisten, solche Bewerber einzustellen. Dazu müsste das Bildungssystem erheblich verbessert werden in Deutschland. Da die Mehrheit der Kunden heutzutage auch noch alles billig will, sind viele Unternehmen einem erheblichen Zeit und Kostendruck ausgesetzt. Für Auszubildende, die erhebliche Defizite haben, ist da kaum Spielraum für einen Arbeitgeber.

    Hoffe, Sie können auch mal die andere Seite verstehen,-)

    Sonnige Grüße aus Kassel

    Marc-Michael Gallus
    (Wirtschaftsjunioren-Ressortleiter "Schule/Arbeitswelt" in Kassel)
    Zuletzt geändert von Azubi-Manager; 17.04.2015, 17:52.
    Ausbildung neu denken 4.0 -
    Nordhessens einziger Seminaranbieter im Bereich der Ausbildereignungsprüfung (IHK Kassel-Marburg) mit 99 % Erfolgsquote seit 2010: "Wir holen jeden Lernenden dort ab, wo er steht"
    https://www.azubi-manager.de/berufli...der-ausbilder/

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    • #3
      AW: Lehrlinge anlocken?

      Hallo Herr Gallus,
      ich frage mich allen Ernstes, woher Sie diese abenteuerliche Zahl von 80.000 Euro für eine Ausbildung nehmen.
      Das BIBB hat in einer sehr beachtenswerten Untersuchung für das Ausbildungsjahr 2012/2013 durchschnittliche Nettokosten pro Auszubildendem von 5.398 EURO ermittelt. (http://www.bibb.de/de/11060.php)
      Sollte Ihnen diese Quelle obskur erscheinen, dann empfehle ich die Website der IHK Frankfurt a.M. Dort wird unter dem Titel "Kosten und Nutzen der Ausbildung" kategorisch festgehalten: "Ausbildung rechnet sich!"
      Sollten Sie über glaubwürdigere Quellen mit gegensätzlichen Zahlen verfügen, wäre ich für einen Hinweis dankbar.

      Mit freundlichen Grüßen
      Adalbert Ruschel
      Adalbert Ruschel
      Professor i.R. Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg
      Autor und Ko-Autor von Büchern und Buchbeiträgen zur beruflichen Bildung

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      • #4
        AW: Lehrlinge anlocken?

        Guten morgen Herr Ruschel,

        gerne erläutere ich Ihnen aus Kleinunternehmersicht, warum die Ausbildungskosten so hoch sind. Dazu brauche ich keine gefärbten Statistiken, sondern werfe nur mal einen Blick in meine Kostenaufstellung.

        Azubigehalt mit Nebenkosten ergeben schon mal rund 1000 Euro pro Monat. Wären also 36.000 Euro für drei Jahre. Da der Auszubildende einen Betriebsunterrricht von mir bekommt von 1,5 Stunden je Woche, ich mich auf Unterweisungen/Schulungen vorbereiten muss, wie zum Beispiel dem Anfertigen von Leittexten, Vorbereitung von Lehrgesprächen, Schulungsmaterial etc dann komme ich locker auf 4-5 Stunden Vorbereitungs- und Unterweisungszeit in der Woche. Wenn ich also 5 Stunden mal 50 Euro rechne, dann sind das mindestens 250 Euro die Woche, die ich zusätzlich zeitlich investieren muss. Zeit, in der ich nicht produktiv bin. Das ist Zeit, die für mich eindeutig zu den Ausbildungskosten zählt. Das sind weitere 1000 Euro im Monat.

        Von externen teuren Schulungen und Ausstattung eines Arbeitsplatzes mal abgesehen, fallen da rund 60-70.000 Euro für eine gute Ausbildung an. Das ist Fakt.

        Jetzt können Sie gerne anführen, dass die Auszubildenden ja produktiv sind. In meinem Betrieb müsste die Auszubildende auf Augenhöhe mit Personalleitern verhandeln und Verträge abschließen. Das ist unmöglich. Komplexe Buchungsvorgänge kann die Auszubildende ja auch erst frühestens im dritten Lehrjahr übernehmen. Eine richtige Mitarbeiterin ist die Auszubildende während der ganzen Ausbildungszeit nicht. Dafür ist die Ausbildung ja auch nicht vorgesehen.

        Die Auszubildende kann im Tagesgeschäft zwar die bürotypischen Dinge erlernen, aber eine sichere und professionelle Beherrschung der Tätigkeiten ist nicht wirklich möglich. Dieses professionelle Verhalten erwirbt der Azubi erst nach der Berufsausbildung.

        Diese kommt erst mit der Berufserfahrung und der Spezialisierung auf einen bestimmten Arbeitsbereich. In anderen Berufszweigen mag das anders aussehen und die Auszubildenden können sehr schnell produktiv mitarbeiten. In größeren Unternehmen wird alle drei Monate die Abteilung gewechselt und dann wird der Auszubildende in einem ganz anderen Unternehmensgebiet tätig und er lernt andere Aufgabenfelder kennen. Zumindest im kaufmännischen Bereich sehe ich auch hier hohe Kosten und eine niedrige Produktivität.


        Die Kosten, die ich angeführt habe für einen Ausbildungsplatz, haben viele kleinere Unternehmen. Und ich lehne es ab, den Auszubildenden einfach nur als billige Arbeitskraft einzusetzen, wie es ja in einigen Betrieben vorkommt. Da wird auf Wissensvermittlung verzichtet und der Auszubildende muss lediglich als Hilfsarbeiter im Tagesgeschäft aushelfen.

        Ich hoffe, Sie konnten meine Begründung nachvollziehen.

        Sonnige Grüße aus Kassel

        Marc-Michael Gallus
        (Wirtschaftsjunioren-Ressortleiter "Schule/Arbeitswelt" in Kassel)
        Ausbildung neu denken 4.0 -
        Nordhessens einziger Seminaranbieter im Bereich der Ausbildereignungsprüfung (IHK Kassel-Marburg) mit 99 % Erfolgsquote seit 2010: "Wir holen jeden Lernenden dort ab, wo er steht"
        https://www.azubi-manager.de/berufli...der-ausbilder/

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        • #5
          AW: Lehrlinge anlocken?

          Hallo Herr Gallus,
          jetzt verstehe ich, warum Sie die Statistik des bibb für gefärbt halten. Das Vorbild ist Winston Churchill: "Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe."

          Mit freundlichen Grüßen
          Adalbert Ruschel
          Adalbert Ruschel
          Professor i.R. Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg
          Autor und Ko-Autor von Büchern und Buchbeiträgen zur beruflichen Bildung

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          • #6
            AW: Lehrlinge anlocken?

            Lieber Herr Gallus,
            wenn nur noch Abiturienten ernsthaft einstellbar sind, spricht das ja eigentlich dennoch für eine Aufwertung der Ausbildung, schließlich wäre es das beste Lockmittel, damit sie nicht studieren gehen. Wenn Real- und Haupstschüler nicht mehr einstellbar sind, weil sie so ungebildet die Schule verlassen, was machen wir denn dann mit diesen Menschen? Sollen die alle Hartz IV Empfänger werden?
            MFG
            F. Hartmund
            Zuletzt geändert von Hatoxu; 23.04.2015, 08:40.

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            • #7
              AW: Lehrlinge anlocken?

              Im besten Fall zahlt sich die Investition in die Ausbildung irgendwann ja auch für das Unternehmen aus: Mit einem gut ausgebildeten Mitarbeiter, der seine Ausbildungskosten nach und nach wieder "reinholt". Leider muss man bei einigen Azubis dafür mehr reinstecken als bei anderen.
              Erfolg besteht darin, dass man genau die Fähigkeiten hat, die im Moment gefragt sind. (Henry Ford)

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              • #8
                AW: Lehrlinge anlocken?

                Wohl wahr. Leider hatten wir auch schon des öfteren den Fall, dass uns ein sehr guter Lehrling nach seiner Ausbildung abgeworben wurde. Meist von Unternehmen die selbst nicht ausbilden und auch um einiges mehr zahlen, als wie wir es könnten.

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                • #9
                  AW: Lehrlinge anlocken?

                  Zitat von Svenja Beitrag anzeigen
                  Wohl wahr. Leider hatten wir auch schon des öfteren den Fall, dass uns ein sehr guter Lehrling nach seiner Ausbildung abgeworben wurde. Meist von Unternehmen die selbst nicht ausbilden und auch um einiges mehr zahlen, als wie wir es könnten.
                  Hallo Svenja,

                  sehr guter Punkt! Das ist nämlich aktuell noch ein Kernproblem im Mittelstand. Gute Strategien, um Azubis zu gewinnen, gibt es aktuell schon wirklich viele. Zum Beispiel hier oder hier beschrieben. Jetzt kommt aber die spannende Frage: Was kommt dann? Besonders der Mittelstand leidet unter den Abwerbungen der regionalen Unternehmen. Klar, diese Unternehmen sparen sich auch die Ausbildungskosten und können am Ende etwas mehr zahlen.

                  Aus Erfahrung möchte ich Ihnen jedoch berichten, dass es meist keine tausende Euros sind, um die es da geht. Nach unseren Analysen und Umfragen sind es auch selten die monetären Gründe, weswegen junge Berufseinsteiger wechseln. Arbeitgeber können (kostenneutral!) am eigenen Image arbeiten und auch das Gespräch mit den Azubis suchen. Wissen Sie, was oft der banalste Grund ist? Arbeitgeber lassen sich viel zu viel Zeit mit einem festen Arbeitsvertrag, die Jugendlichen sind verunsichert und schauen sich (ganz natürlich) auch um.

                  Viele Grüße
                  Agentur für Ausbildungsmarketing, Schulmarketing und Personalmarketing.
                  Experten im Recrutainment und Online-Assessment.
                  Beispiele für Recruiting-Videos und kostenloses Whitepaper

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