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Flüchtlinge als Azubis einstellen, Erfahrungen gesucht ...

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  • Flüchtlinge als Azubis einstellen, Erfahrungen gesucht ...

    Hallo,

    wir würden gern für das nächste und/oder auch übernächste Ausbildungsjahr einem oder auch mehreren engagierten Flüchtlingen eine Perspektive bieten. Am liebsten in Form einer Berufsausbildung. Bereitschaft in der Belegschaft ist durchweg vorhanden, alle würden sich auch über das normale Maß hinaus beteiligen.Nun liest man ja viel in der Presse, dass die großen Dax-Unternehmen wie Daimler und Telekom etc. so und so viele Flüchtlinge einstellen. Uns würde aber mal interessieren, ob es auch kleinere oder mittelgroße Betriebe gibt, die das in Erwägung ziehen oder bereits Flüchtlinge als Praktikanten oder Auszubildende beschäftigen und wie die Erfahrungen sind. Kann mir da jemand weiterhelfen?

    Beste Grüße
    Holzwurm

  • #2
    AW: Flüchtlinge als Azubis einstellen, Erfahrungen gesucht ...

    Leider noch nicht, aber darunter sollen sich ja viele Facharbeiter befinden. Denke das dir größte Hürde die Sprache und Verständigung sein wird.

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    • #3
      Hallo Holzwurm,

      wir sind ein mittelständisches Unternehmen und haben bereits mehrere Flüchtlinge im Praktikum gehabt. Bis jetzt haben wir keine negativen Erfahrungen gemacht. Für uns ist es sehr wichtig, das eine Bildungsmaßnahme bzw. Einrichtigung dahinter steht und wir immer einen zuverlässigen Ansprechpartner haben. Die sprachliche Barriere ist leider noch sehr groß. Bin gespannt, wie sich das entwickelt.

      An einem Standort in Ulm haben wir einen Flüchtling im ersten Lehrjahr zum Fachlageristen. Das klappt super! Schulisch läuft es gut und auch auf der Arbeit ist es optimal. Da haben wir einen "Glücksgriff" gemacht

      Herzliche Grüße aus dem schönen Franken!

      danabirgitpro

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      • #4
        Hallo auch von meiner Seite,

        ich kenne auch schon einige Fälle von kleineren und mittelständischen Unternehmen, in denen Flüchtlinge ihre Praktika absolvieren konnten. Finde ich gut!
        Kenne bislang auch nur ein Fall wo es nicht funktioniert hat, aber da war schlichtweg die Bereitschaft vom Praktikanten nicht da, das sollte aber keinesfalls
        auf alle Flüchtlinge übertragen werden. Schließlich gibt es solche Leute in jeder Nationalität.

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        • #5
          Hallo!

          Ich bin Journalistin und Autorin und recherchiere schon länger zu dem Thema Flüchtlinge beschäftigen. Es mag komisch klingen, aber es ist tatsächlich so: Ich bekomme fast ausschließlich Erfolgsgeschichten zu hören, egal ob bei Malern, Kfzlern, Bäckern oder Fotografenmeistern. Die Quintessenz ist immer: Man muss sich ein bisschen mehr kümmern, aber der Einsatz lohnt sich überdurchschnittlich.

          Wer mehr wissen will und auch praktische Hilfestellung dazu sucht: Ich habe einen Ratgeber geschrieben "Flüchtlinge im Handwerk beschäftigen und integrieren", der sich gut auf KMU generell übertragen lässt (bei Holzmann-Medien erschienen: https://www.holzmann-medienshop.de/t...-beschaeftigen). Ich versuche, das sehr komplexe Themenspektrum umfassend abzubilden, also sowohl juristische und verwaltungsrechtliche Aspekte, Fördermöglichkeiten wie auch Integration ins Team und Umgang mit unterschiedlichen Lebenswelten und Kulturen. Da ich selbst eine klassische Handwerksausbildung gemacht habe (Kfz) sowie seit einigen Jahren in der Flüchtlingshilfe aktiv bin, lagen mir die Themen nahe. Mittlerweile gibt es allerdings zum Glück einige gute Anlaufstellen zu dem Thema (stehen natürlich auch im Buch :-)), darunter zum Beispiel die sogenannten Willkommenslotsen (auf lokaler Ebene) oder "Unternehmen integrieren Flüchtlinge" - aber diese nur als Beispiel.

          Auf jeden Fall: Ich kann auf der Grundlage dieser Erfahrungen die Unternehmen nur ermutigen. Ein Bäcker hat gerade noch zu mir gesagt: "Da stehen die Leute auf der Straße - dabei sind sie unsere große Chance!"

          Viele Grüße!
          Anouschka

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          • #6
            Hallo Zusammen,

            ich habe voraussichtlich nächste Woche ein (mein erstes) Vorstellungsgespräch mit einem Flüchtling,
            er kommt aus Syrien und ist mittlerweile seit ca. 2 Jahren in Deutschland,
            er bewirbt sich um eine Ausbildungsstelle, die Bewerbung klang recht gut.

            Nun meine Frage(n) welche Fragen darf ich ihm stellen?
            Mich würde natürlich interessieren warum er zu uns gekommen ist,
            und was er sich hier erhofft und was er sich von der Ausbildung erhofft.
            Jedoch habe ich gehört das viele Flüchtlinge traumatisiert sind und man über ihre Herkunft wenig fragen soll.
            Was meint ihr? Habt ihr Erfahrungen und/oder Tipps für mich?

            Danke schon mal für jeden Tipp.


            Gruß,
            Tine88


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            • #7
              hallo zusammen,

              das bisher hier gelesene überrascht mich doch etwas. Meine persönlichen Erfahrungen (mit Ausbildern und Lehrern von Geflüchteten) haben gezeigt, dass es sehr wichtig ist zu berücksichtigen, dass die Vorbildung (bzw. oft die fehlende Vorbildung) nicht alle Berufswünsche der geflüchteten Azubi-Anwärter zulässt.
              Besonders aufwendige Berufsausbildungen (Technik, Finanz, ...) scheitern sehr oft daran, dass die Schulbildung, wie auch der Wissensstand bezüglich der deutschen Sprache der geflüchteten Azubianwärter nicht ausreicht, um Chancen auf den Abschluss der Ausbildung zu haben. Bei Beginn der Ausbildung sollte die Sprache eben soweit beherrscht werden, um z.B. dem Unterricht von Anfang an folgen zu können.
              Dazu kommen oft noch persönliche Probleme der Anwärter, wie z.B. ein ungeklärter Status des Asylantrags (Afghanistan - sicheres Herkunftsland oder nicht?!), Traumatisierung, und Ähnliches.
              Auch werden viele Ausbildungen aktuell leider wieder von den Geflüchteten beendet, weil sie erkennen müssen, dass sie während der Ausbildung zu wenig Geld verdienen, um sich aus finanziellen Verpflichtungen den Schleusern gegenüber freikaufen zu können.

              Ich hoffe, diese Umstände werden sich im Lauf der nächsten Jahre bessern. Denn auch ich kenne viele junge Geflüchtete, die sehr engagiert nach einer Ausbildung suchen, und sich sehr gut darauf vorbereiten.
              Und viele dieser jungen Leute hätten durchaus das Zeug, eine Ausbildung auch abzuschließen und so dem Facharbeitermangel entgegenwirken.

              Grüße!

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              • #8
                Hallo Zusammen,

                im 2. Anlauf lief das Vorstellungsgespräch gut,
                (beim 1. Termin rief er an das er zwecks schlechter Busverbindung auf halber Strecke steht und der nächste Bus erst in einigen Stunden ginge, wohl schlecht recherchiert vorher, wir gaben ihm ne 2. Chance die er dann auch genutzt hat)
                der Bewerber auch Syrien konnte recht gut deutsch, man konnte sich ganz normal mit ihm unterhalten,
                nur wenn es fachlich wurde hatte er Probleme, aber gut, das kann man verstehen.

                Er hat unsere Fragen alle gut beantwortet
                (Vorbildung etwas erklärt, was er jetzt macht und warum er diese Ausbildungsstelle antreten möchte)
                Wir werden Ihn zu einem ca. 1-wöchigen Praktikum einladen um uns ein genaueres Bild seiner fachlichen Kenntnisse zu machen.
                Ich bin mal gespannt.

                Gruß,
                Tine88.

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                • #9
                  Hallo Tine88,

                  mich interessiert es, wie das Praktikum mit eurem Bewerber gelaufen ist und ob sich daraus eine Ausbildung ergeben hatte. Hintergrund ist, ich unterrichte seit mehreren Jahren DaZ und habe daher auch etliche Flüchtlinge kennengelernt und speziell Syrer sind meiner Erfahrung nach sehr schwer zu integrieren, da sich die meisten von ihnen gar nicht integrieren lassen wollen. Fängt schon beim Erwerb der deutschen Sprache an. Eine große Mehrheit lehnt einfach ab, die deutsche Sprache zu erlernen. Über unsere Demokratie und unseren Rechtsstaat lachen sie oft auch nur, da sie Demokratie als ein Zeichen von Schwäche ansehen.

                  Praktika haben viele durchlaufen, aber aktuell habe ich in meinem Kurs nur einen syrischen TN, der auch definitiv in einem Handwerksbetrieb tätig ist und dessen Chef sich auch positiv über ihn äußert.

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                  • #10
                    Hallo Enora 2017,

                    das Praktikum lief durchwegs positiv.
                    Der Bewerber zeigte großes Interesse, erledigte die Aufgaben zu meiner Zufriedenheit. Mit den Azubis verstand er sich auch gut.
                    Mit den deutschen Fachbegriffen hat er noch starke Probleme, aber ich hatte das Gefühl das er alles versteht und auch versteht um was es geht, das ihm wirklich lediglich die deutschen Begriffe fehlen. Da er schon Hintergrundwissen hat (er hat in Syrien ein Maschinenbau-Studium angefangen) denke ich das es möglich ist das er die Begriffe im Rahmen der Ausbildung lernt. (Es fehlen Begriffe wie Masse, Volumen, etc. Begriffe die einem deutschen Realschüler geläufig sind)

                    Wir haben einen Ausbildungsvertrag für September mit Ihm geschlossen und sind gespannt und hoffen natürlich das der gute Eindruck bleibt.



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                    • #11
                      Hallo,

                      ich arbeite für ein mittelgroßes Dachdeckerunternehmen.

                      Wir hatten jetzt einige Flüchtlinge als Bewerber, die bei uns, wie alle anderen, erst ein zweiwöchiges Praktikum durchlaufen und dann aufgrund der Beurteilung der Vorarbeiter eingestellt werden, oder eben nicht. Meine Erfahrung hat gezeigt: Sobald sich jemand im Praktikum als fleißig und willig zeigt sind die Gesellen und Vorarbeiter absolut offen für diesen jungen Menschen. Einzige Hürde ist dann ggf. noch die Sprache (wir erwarten wenigstens B1, zertifiziert, oder "gefühlt").

                      Als sehr praktisch hat sich die App "MeinVokabular" der HWKn in Bayern herausgestellt. Die Lernenden können dort Fotos von Gegenständen machen, den Namen in ihrer Muttersprache eingeben, in deutsch eingeben und auch auf deutsch aufsprechen (das haben oft deutschsprachige Mitarbeiter übernommen): https://play.google.com/store/apps/d...hwk_vokabelapp Gibt es auch für iOS

                      Da die Jungs bis zum Ausbildungsbeginn bei uns jobben, sind wir zuversichtlich, dass sie schon ein bisschen was an Fachvokabular in die Ausbildung mitbringen.

                      Das sprachliche Problem habe ich auch in der Berufsschule angesprochen, da konnte man uns nur sagen, dass wir die LSchB anschreiben sollten, damit den Schulen Stunden zur Verfügung gestellt würden. Ergo stelle ich mich darauf ein im nächsten Lehrjahr nicht nur den Berufsschulunterricht zu ergänzen, sondern auch noch DaZ zu unterrichten.

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                      • #12
                        Ich habe auch einige Flüchtlinge in meiner Klasse. Wie bei allen anderen kommt es da sehr stark auf die Person selbst an. Ich kenne Jugendliche, die kaum Interessen haben etwas zu lernen, dann gibt es Jugendliche, die extrem wissbegierig sind und eigentlich schon zu viel machen wollen. Ich würde nicht sagen, dass man auf den ersten Blick sieht wer sich mehr oder weniger engagiert. Meist wechselt es auch oft, bei machen macht es klick und sie sehen ein wie wichtig es ist sich zu beteiligen, andere hingegen verlieren ihre anfängliche Motivation komplett.

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                        • #13
                          die Flüchtlinge sind ja oft besser ausgebildet, als wir es selbst von zu Hause kennen ;-) wie so oft, ist vor allem die Sprache der Hauptfaktor, dass man als nicht "gleichwertig" angesehen wird. ich habe selbst schon Flüchtlinge getroffen, die erst seit wenigen Monaten (vielleicht ein Jahr ) bei uns sind, und schon super gut Deutsch sprechen - das ist schon sehr beeindruckend, muss ich sagen!

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                          • #14
                            Ich habe habe letztes Jahr 2 Flüchtlinge im 2. Ausbildungsjahr betreut. Fachlich könnte ich mich nicht beschweren, da sie eine gute Auffassungsgabe hatten und Aufgaben i.d.R. zuverlässig erledigt haben.

                            Allerdings war es total schwierig, da sie "von daheim" nicht gewohnt waren, dass man zu einer bestimmten Zeit (bzw. in einem bestimmten Zeitfenster) seine Arbeit beginnen muss, dass man seinen Urlaub mit "etwas" Vorlauf beantragen muss (und nicht um 15 Uhr am Vortag) usw. Somit hoffe ich nur, dass sie jetzt in den letzten beiden Einsatzabteilungen noch etwas mehr Zuverlässigkeit erlernen.

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                            • #15
                              Ich habe bis jetzt auch noch nichts negatives gehört. Das sind doch auch nur Menschen, die froh über die gebotene Chance sind. Auch die sprachliche Barriere legt sich nach einiger Zeit. Da braucht man vielleicht etwas Geduld, aber funktionieren tut es trotzdem.

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