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Vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung - Zustimmung der Berufsschule?

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    Vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung - Zustimmung der Berufsschule?

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    in unserem Betrieb gibt es aktuell einen Fall mit zwei Azubis, der mir vereinfacht gesagt "ungerecht" vorkommt, ich mir aber unschlüssig bin, ob er rechtlich trotzdem korrekt ist oder nicht.

    Es geht hierbei um die vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung im Sinne des §45 BBiG.
    (1) Auszubildende können nach Anhörung der Ausbildenden und der Berufsschule vor Ablauf ihrer Ausbildungszeit zur Abschlussprüfung zugelassen werden, wenn ihre Leistungen dies rechtfertigen.

    Was mich hier irritiert ist die Zustimmung der Berufsschule. Wir haben im Schnitt häufiger ältere Azubis, die bereits ein Studium begonnen hatten, oder auch schon eine Ausbildung haben. Entsprechend sind viele davon nicht mehr berufsschulpflichtig (nach Bayerischer Regelung). Je nachdem wie sich die Azubis entscheiden gehen sie aber dennoch in die Berufsschule, oder nehmen einfach an unserem internen Ausbildungsprogramm teil, dass ebenfalls alle Inhalte des Ausbildungsrahmenplans vermittelt. Letzteres wird zum Beispiel gern von ehemaligen Informatik-Studenten in Anspruch genommen, die in der Berufsschule einfach nichts mehr lernen könnten und sich lieber praktisch weiterentwickeln. In der Regel schließen letztere oft sogar etwas besser bei den Prüfungen ab, was uns offen gesagt auch ein wenig stolz macht.

    Nun haben wir aktuell Azubis die die Berufsschule besucht haben und andere, die bei uns "Inhouse" unterrichtet wurden. Für Azubis aus beiden Gruppen würden wir gern einen Antrag auf vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung stellen. Nun hat einer der Azubis aus der Berufsschulgruppe in Deutsch aber die Note 4. Nebenbei bemerkt kann er dafür nach eigener Aussage recht wenig, da im Unterricht wohl sehr viele Gruppenarbeiten gemacht werden, bei denen auch nicht individuell benotet wird, sondern die Gruppe als solche und dabei muss er dieses Jahr durch Ausloseverfahren wohl an ganz schöne "Chaoten" geraten sein.

    Laut IHK muss in den prüfungsrelevanten Fächern aber mindestens ein Schnitt von 2,5 vorliegen. Deutsch ist hier für den allgemeinen Prüfungsteil zumindest laut Prüfungsordnung aber ebenfalls prüfungsrelevant, auch wenn es in der Praxis so gut wie nicht vorkommt. Jedenfalls erfüllt der Azubi damit die Kriterien für die vorzeitige Zulassung nicht mehr. Unsere anderen Azubis haben dieses Problem nicht, da sie sich für die Inhouse-Schulung entschieden haben.

    Nun zur Frage:
    Was können wir tun, dass die Azubis, die nicht berufsschulpflichtig sind, die BS aber trotzdem besuchen keinen Nachteil in Hinsicht auf eine frühere Zulassung zur Abschlussprüfung erleiden. Nach meiner Auffassung setzen sie sich hier ja quasi einem zusätzlichen Risiko aus, da sie sich mit den Berufsschulnoten gegebenenfalls für eine frühere Abschlussprüfung disqualifizieren, während unsere anderen Azubis dieses Risiko garnicht haben, einfach weil sie nicht in die BS gehen. Meiner Auffassung nach sollte das nicht sein.

    Mit freundlichen Grüßen

    Shahid Al Thani

    #2
    Hallo Thani,

    es wäre mal super wenn du deine zuständige IHK benennst, denn dies wird im Regelfall durch die IHK festgelegt, welche Rahmenbedingungen gelten.
    Beispielsweise muss an der IHK Bonn durch die Berufsschule eine befriedigende Leistung nachgewiesen werden.

    Regelung für die vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung
    § 45 Abs. 1 Berufsbildungsgesetz (BBiG)

    Auszubildende, deren Ausbildungsvertrag in das Verzeichnis der Ausbildungsverträge eingetragen ist, können nach Anhören des Ausbildenden und der Berufsschule gemäß § 45 Abs. 1 Berufsbildungsgesetz (BBiG) vor Ablauf der Ausbildungszeit zur Abschlussprüfung zugelassen werden, wenn die Leistungen dies rechtfertigen. Dadurch soll Auszubildenden, die im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule ein größeres Lerntempo entwickelt haben und aufgrund dieser Leistungen eher das vorgegebene Ausbildungsziel erreichen können, die Möglichkeit gegeben werden, zu dem Prüfungstermin zugelassen zu werden, der vor dem Prüfungstermin liegt, der für das Ende der vertraglich vereinbarten Ausbildungszeit maßgebend gewesen wäre.

    Nach Anhörung des Berufsbildungsausschusses am 18. März 2009 erlässt die Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg als zuständige Stelle nach § 9 BBiG vom 23. März 2005 (BGBL. I S. 931) folgende Richtlinien für die vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung gemäß § 45 Abs. 1 BBiG:
    Dem Antrag auf Zulassung zur Abschlussprüfung wird unter Berücksichtigung der bis zum Prüfungstermin noch verbleibenden Ausbildungszeit in der Regel entsprochen,
    • wenn vom Ausbildungsbetrieb bescheinigt wird, dass die betrieblichen Leistungen über dem Durchschnitt liegen und daher eine vorzeitige Zulassung rechtfertigen, und die Beherrschung der nach der Ausbildungsordnung vorgeschriebenen Kenntnisse und Fertigkeiten erwartet werden kann
    • im Falle des Berufsschulbesuchs von der Berufsschule bescheinigt wird, dass der Auszubildende in den prüfungsrelevanten Fächern mindestens befriedigende Leistungen erbringt
    So grundsätzlich kann im Einzelfall auch eine Zulassung so erfolgen, aber an sich dient diese Regelung auch wenn Sie zum Nachteil einiger Personen führt, dem Schutz des Auszubildenden. Denn bei diesem wird nachweislich dokumentiert ob dieser für die Zulassung der vorzeitigen Prüfung ausreichend vorbereitet ist um auch einer Überlastung entgegenzuwirken. Es ist somit bei denen die sich für die Berufsschule entschieden haben, ein zusätzlicher Sicherheitsmechanismus und ganz klar kein Nachteil. Man sollte die Azubis über diesen Fall jedoch informieren.

    Weiterhin habt ihr die Möglichkeit, den Auszubildenden gesondert durch die Berufsschule im Fach Deutsch prüfen zu lassen, aus der dann eine Bescheinigung einhergehen kann. Fraglich ist der Punkt, ob der Azubi wirklich nichts dafür kann, denn GA spricht nicht zwingend für eine Nichterreichung einer besseren Note. Da werden doch auch sicher Klassenarbeiten geschrieben . Demnach alles erst einmal prüfen.

    Liebe Grüße

    A.R.

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      #3
      Hallo, Shahid Al Thani,

      nicht die Berufsschule, sondern der Prüfungsausschuss der zuständigen Stelle trifft die Entscheidung!

      Vorschlag: Der ausbildenden Betrieb und der betr. Auszubildende stellen gemeinsam den Antrag auf vorzeitige Zulassung ... mit entsprechender Begründung.

      Nach meiner Kenntnis wäre gegen die Ablehnung durch den Prüfungsausschuss sogar ein Widerspruch möglich ...
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