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    Anzahl Ausbilder für ein Unternehmen

    Hallo,

    bisher war ich eine stille und unangemeldete Mitleserin des Forums. Seit ein paar Wochen habe ich die AEVO-Prüfung bestanden und arbeite mich nun immer weiter in die praktische Seite dieses Themas ein.

    Nun steht bei mir eine Frage im Raum zu der ich unterschiedliche Aussagen erhalten und auch durch googeln nicht wirklich zu einer Antwort gefunden habe. Daher nun die Frage an die Profis.

    Darf nur in den Berufen ausgebildet werden die der Ausbilder selber absolviert hat? Somit würde man für ein Unternehmen dass z.B. im Büro, im Lager, im Einkauf, im Marketing, in der Technik und in der IT ausbildet sechs Ausbilder benötigen. Vorausgesetzt der Ausbilder hat nicht sechs Ausbildungen in genau diesen Bereichen.

    Oder dürfen die Berufsbilder ausgebildet werden deren Anforderungen der Ausbildungsbetrieb erfüllt? Dann würde ein Ausbilder genügen der zusammen mit den Ausbildungsbeauftragten (die ja die jeweiligen Berufe erlernt haben und ausreichend Berufserfahrung haben) ausbildet.

    Hier unterscheiden sich bei mir nun massiv Theorie und Praxis.

    Wie funktioniert das bei anderen in der Praxis?

    Gruß Stern275

    #2
    Hallo Stern275,

    letzteres ist richtig. Es muss nicht für jeden einzelnen Beruf ein extra Ausbilder vorhanden sein, der den Beruf auch selbst erlernt hat. Das wäre ja in der Praxis gerade für kleine Ausbildungsbetriebe auch kaum durchführbar. Es reicht, wenn das nötige Wissen durch entsprechend befähigte Ausbildungsbeauftragte vermittelt werden kann. Wenn im Betrieb selbst nicht alle Inhalte vermittelt werden können, kann die Ausbildung durch sogenannte überbetriebliche Ausbildungsstätten (ÜBS) unterstützt bzw. ergänzt werden.

    Viele Grüße
    adama67

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      #3
      Hallo Stern275,

      letzteres ist meiner Auffassung nach dem Gesetz teilweise richtig.

      Dafür ziehen wir das Gesetz auch heran:

      §14 (2). Ausbildende haben selbst auszubilden oder einen Ausbilder oder eine Ausbilderin ausdrücklich damit zu beauftagen,

      §28
      (1) Auszubildende darf nur einstellen, wer persönlich geeignet ist. Auszubildende darf nur ausbilden, wer persönlich und fachlich geeignet ist

      (2) Wer fachlich nicht geeignet ist oder wer nicht selbst ausbildet, darf Auszubildende nur dann einstellen, wenn er persönlich und fachlich geeignete Ausbilder oder Ausbilderinnen bestellt, die die Ausbildungsinhalte in der Ausbildungsstätte unmittelbar, verantwortlich und in wesentlichem Umfang vermitteln.

      (3) Unter der Verantwortung des Ausbilders oder der Ausbilderin kann bei der Berufsausbildung mitwirken, wer selbst nicht Ausbilder oder Ausbilderin ist, aber abweichend von den besonderen Voraussetzungen des § 30 die für die Vermittlung von Ausbildungsinhalten erforderlichen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt und persönlich geeignet ist.


      §29
      (1) Fachlich geeignet ist, wer die beruflichen sowie die berufs- und arbeitspädagogischen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt, die für die Vermittlung der Ausbildungsinhalte erforderlich sind.
      (2) Die erforderlichen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt, wer die Abschlussprüfung in einer dem Ausbildungsberuf entsprechenden Fachrichtung bestanden hat,

      Das heißt im Klartext:

      Jeder Ausbilder darf Ausbilden in den Berufsgruppen die zu seiner eigenen Berufsausbildung artverwandt sind. Besteht keine Artverwandtschaft, ist ein weiterer Ausbilder einzustellen, da sonst gegen §29 und somit auch gegen §14 und §28 verstoßen wird.
      Das heißt aber nicht das es grundsätzlich falsch ist Ausbildungsbeauftragte einzusetzen. Hier kommt es auf die Definition an. Ausbildungsbeauftragte sind offiziell Ausbilder die vom Ausbildenden bzw. ausbildende Fachkräfte die von Ausbildern mit der Ausbildung beauftragt wurden.

      Es wird zwischen hauptamtlichen und nebenamtlichen Ausbildern unterschieden.

      Das heißt, dass Unternehmen kann für die pädagogische Führung einen hauptamtlichen Ausbilder einsetzen, der auch über die artverwandten Berufe hinaus als Ausbilder fungiert, sofern nebenamtliche Ausbilder die fachliche Verantwortung für deren Berufe übernehmen.
      Zusätzlich kann der Ausbilder ausbildende Fachkräfte mit Fachgebieten der Ausbildung betrauen.

      In deinem konkreten Fall kommt es somit auf die Berufsbilder an:

      Büro, Lager, Einkauf, Marketing, Technik und IT

      Wenn es sich nun also bei den Berufen Büro, Einkauf, Marketing und IT um Bürokauffrauen, Industriekauffrauen, Bürokommunikationskauffrau etc. handelt, so sind diese Berufe artverwandt und können von einem Ausbilder durchgeführt werden.

      Wenn Technik und Lager, die Bereiche Lagerlogistik und Industriemechaniker sind, kann auch hier eine kleine Artverwandtschaft hergestellt werden.

      In diesem Fall müsste das Unternehmen 2 Ausbilder beschäftigen unabhängig ob hauptamtlich oder nebenamtlich für die fachliche Verantwortung der Inhalte.

      So gesehen könnte ein Ausbilder als nebenamtlich angesehen werden, der nur zusätzlich administrative Aufgaben und bei der Planung unterstützt eingestellt werden. Durch die Unterstellung des nebenamtlichen Ausbilders an den hauptamtlichen Ausbilder, läge die disziplinarische Führung beim Hauptamtlichen Ausbilder und die fachliche beim nebenamtlichen Ausbilder.

      Die Inhalte könnten dann weiterhin durch Ausbildungsbeauftragte vermittelt werden, die optimalerweise durch den nebenamtlichen Ausbilder koordiniert werden. Inhalte die nach §27 nicht in der Ausbildungsstätte vermittelt werden können, können wie von adama67 gesagt durch überbetriebliche Ausbildung und andere Formen abgedeckt werden.

      Ansonsten einfachmal einen Ausbildungsberater der IHK ansprechen, dafür sind die da

      Ich hoffe ich konnte dir helfen.

      Kommentar


        #4
        Hallo Stern275,

        Du stille Mitleserin hast eine brisante Frage gestellt.

        Kann eine 61-jährige Angestellte mit AEVO, die Bürogehilfin gelernt hat und seit 20 Jahren im Empfang einer großen Steuerberatungskanzlei arbeitet, eine Kauffrau für Büromanagement ausbilden, weil artverwandt?
        Oder nicht artverwandt?
        Schwierige Frage.

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