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Berufsschule lagert Hausaufgaben und Arbeitsaufträge in die Praxisphasen aus

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    Berufsschule lagert Hausaufgaben und Arbeitsaufträge in die Praxisphasen aus

    Hallo zusammen.

    In meinem Betrieb haben wir aktuell 6 Azubis, jeweils zwei pro Lehrjahr und haben auch davor schon ausgebildet.

    Unsere Azubis besuchen die Berufsschule im Blockunterricht und sind zwischen 29 und 16 Jahren alt.

    Unsere neuen Azubis haben mich in dieser Woche aber bei einem Problem um Rat gefragt, was ich so auch noch nicht kannte und auch den "dienstälteren" Azubis so nicht bekannt war.

    Die Azubis erhielten am letzten Tag ihres Blocks einen Zettel mit einem Arbeitsauftrag für ein Unterrichtsfach. Es handelt sich um eine Gruppenarbeit, für die laut Auftrag ca 4 Stunden vorgesehen sind. Allerdings war die Klasse wohl im Stoff hinterher und darum wurde die Gruppenarbeit nun quasi als Hausaufgabe aufgegeben. Abgabe ist direkt die erste Stunde im neuen Block. Es besteht für die Azubis also keine Möglichkeit irgend etwas für diesen Arbeitsauftrag während der Berufsschulzeit zu erledigen. Hier im Betrieb arbeiten unsere Azubis normal 40 Stunden und das teilweise übrigens auch in der Berufsschule , da diese sich als Ganztagsschule versteht.

    Ich bewerte unsere Azubis als alles andere als faul, bisher haben Beide gute bis sehr gute Leistungen gezeigt und ich bin davon überzeugt, dass Sie ihren Teil auch in der Berufsschule leisten. Daher kann ich ihren "Ärger" über diesen Umstand nachvollziehen. Auch finde ich es nicht in Ordnung, wenn die Berufsschule abgesehen von der allgemeinen Lernpflicht einfach Inhalte in die praktischen Phasen "schiebt", nur weil die eigenen Planung nicht aufgeht. Für sowas sollte meiner Ansicht nach eigentlich die Zeit in der Berufsschule da sein, insbesondere wenn sich besagte Schule eben als Ganztagsschule versteht, wozu rein vom Konzept her ja auch das betreute Erledigen von Hausaufgaben zählt, damit diese eben nicht in der Freizeit erledigt werden müssen um allen die gleichen Chancen einzuräumen (Zumindest hatte unser Kultusminister das Konzept mal so auf einer Tagung erläutert...)

    Darüber hinaus ist die Organisation einer Gruppenarbeit in der praktischen Phase ungleich aufwändiger, da die Schüler teilweise aus Betrieben aus Ingolstadt, Nürnberg oder dem Allgäu stammen. Ein Zusammenkommen unter der Woche ist hier fast unmöglich, wenn sich nicht alle Azubis einen Tag beurlauben lassen, oder die Aufgabe am Wochenende angehen. Und beides fände ich persönlich unverhältnismäßig.

    Gibt es hierzu eigentlich eine gesetzliche Regelung?
    Ich weiß, dass es uns als Betrieb etwa nicht erlaubt wäre dem Azubi Aufgaben aufzugeben, wenn diese über die normale, vereinbarte Arbeitszeit hinaus gehen. Gilt das auch für die Berufsschule?

    Beste Grüße,
    Shahid Al Thani
    Zuletzt geändert von Thani; 30.03.2017, 21:33.

    #2
    Hallo Thani,

    ich finde, Du hast das alles schon sehr treffend analysiert, das Vorgehen der Berufsschule geht so keinesfalls. Dazu noch der Aspekt, dass es eine Gruppenarbeit ist, die rein organisatorisch kaum zu realisieren ist. Zudem ginge es ja weiter mit der Frage, selbst wenn sich die Azubis zur Bearbeitung der Aufgabe treffen, wer zahlt die Fahrtkosten etc.

    Rein rechtlich sieht die Lage so aus. Nach den Bestimmungen des § 15 BBiG hat der Ausbildende den Auszubildenden "für die Teilnahme am Berufsschulunterricht freizustellen". Von Hausaufgaben ist dort nichts geschrieben.
    Gleichzeitig steht in etlichen Berufsschulordnungen, dass Hausaufgaben aufgegeben werden können. Zumeist aber mit der Einschränkung, dass betriebliche Belange dadurch nicht berührt werden dürfen. So steht beispielsweise in der Berufsschulordnung von Sachsen folgender Passus: „Hausaufgaben können unter Berücksichtigung der beruflichen Belastung der Schüler gestellt werden, um Unterrichtsinhalte vorzubereiten oder zu festigen und die Schüler an eigenständige Tätigkeit heranzuführen.“ (§ 15)

    Diese "Berücksichtigung der beruflichen Belastung" findet in dem von Dir geschilderten Fall nicht statt.

    Ich denke, Du kommst nicht umhin mit dem betreffenden Berufsschullehrer zu reden. Falls das nichts bringt, würde ich eine Beschwerde an die Schulleitung richten. Wenn Du magst, such Dir ein oder zwei Verbündete aus den anderen betroffenen Betrieben.

    Ich vermute, der entsprechende Lehrer hat sich überhaupt keine Gedanken gemacht, dass die Realisierung der Hausaufgaben schlichtweg unrealistisch ist. Insofern könnte ein freundlich geführtes klärendes Gespräch Wunder wirken.

    Viel Erfolg und viele Grüße!
    Holzwurm (der sich immer wieder wundert, was für weltfremde Kuriositäten sich Berufsschullehrer ausdenken können)

    Kommentar


      #3
      Zitat von Holzwurm Beitrag anzeigen
      Gleichzeitig steht in etlichen Berufsschulordnungen, dass Hausaufgaben aufgegeben werden können. Zumeist aber mit der Einschränkung, dass betriebliche Belange dadurch nicht berührt werden dürfen. So steht beispielsweise in der Berufsschulordnung von Sachsen folgender Passus: „Hausaufgaben können unter Berücksichtigung der beruflichen Belastung der Schüler gestellt werden, um Unterrichtsinhalte vorzubereiten oder zu festigen und die Schüler an eigenständige Tätigkeit heranzuführen.“ (§ 15)
      Vielen Dank für das Feedback.

      In der BSO für Bayern findet sich zum Thema Hausaufgaben leider keinerlei Passus, was leider immer schwierig ist, denn sie sind somit weder erlaubt, noch verboten. Da wäre mir eine Formulierung wie in Sachsen doch deutlich lieber

      http://www.gesetze-bayern.de/Content...nt/BayBSO/true

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        #4
        Hallo zusammen,

        was ist denn nun aus dem Gespräch mit dem Lehrer herausgekommen??
        Vielleicht war der Gruppenarbeitszettel als Merkhilfe für einen betrieblichen Erkundungsauftrag gemeint? Dessen Ergebnis bei der nächsten BS-Woche als Einstieg genutzt wird?
        Ich hoffe, wir erfahren mehr.

        Kommentar


          #5
          Zitat von helmut.passe-tietjen Beitrag anzeigen
          Hallo zusammen,

          was ist denn nun aus dem Gespräch mit dem Lehrer herausgekommen??
          Vielleicht war der Gruppenarbeitszettel als Merkhilfe für einen betrieblichen Erkundungsauftrag gemeint? Dessen Ergebnis bei der nächsten BS-Woche als Einstieg genutzt wird?
          Ich hoffe, wir erfahren mehr.
          Tut mir leid, dass die Antwort so lange auf sich warten lies.
          Um einen "betrieblichen Erkundungsauftrag" handelte es sich definitiv nicht, das als Ziel tatsächlich eine konkrete, ausgearbeitete Mappe zur Abgabe und Benotung gefordert war. Da diese Aufgabe wegen räumlicher und zeitlicher Aspekte aber eben außerhalb der Berufsschule nicht realisiert werden konnte, hatten wir uns an den Klassenlehrer gewendet. (Anmerkung am Rande, unsere Azubis hatten im Notfall geplant sich ein Wochenende zu treffen und sich zusammenzusetzen, aber hier haben wir uns uns aus mal klar auf die "Erholungspflicht" unserer Azubis verwiesen. Wir haben einen anspruchsvollen Beruf und eine anspruchsvolle Ausbildung und sehen es auch nicht gern, wenn unsere Azubis zum Beispiel Nebenjobs am Wochenende ausüben - weshalb wir auch darauf achten eine angemessene Ausbildungsvergütung zu zahlen, so dass dies im Normalfall auch nicht nötig ist. Auch in unserer Firmenkultur wird Work-Life Balance groß geschrieben und ein freies Wochenende gehört nach einer 40 Stunden Woche für uns einfach dazu).

          Der Klassenlehrer erkundigte sich dann beim entsprechenden Fachlehrer und der wiederum wusste von dem Arbeitsauftrag überhaupt nichts. Dazu muss man erklären, an der entsprechenden Berufsschule gibt es ein Mehr-Lehrer-Prinzip bei dem der Unterricht von 3 bis 4 Lehrkräften organisiert wird. Ganz plump gesagt wusste in diesem Fall wohl die Rechte Hand nicht, was die Linke da tut. Jedenfalls ließen wir uns vom Fachlehrer bestätigen, dass es keinen Arbeitsauftrag außerhalb des Unterrichts gibt.

          Im Block darauf verlangte dann ein anderer Fachlehrer die Ergebnisse des Arbeitsauftrages und erteilte zunächst eine Note 6. Darauf hin wurde ich persönlich in der Schulleitung vorstellig zusammen mit der Bestätigung des Klassenlehrers und des Fachlehrers, dass es keinen offiziellen Arbeitsauftrag gegeben hat. Danach entschied die Schulleitung, dass es für die erteilte Note 6 demnach keine Grundlage gab, weshalb sie revidiert wurde.

          Damit war das Thema für uns erledigt.

          Allgemein zum Thema Arbeitsaufträge und Hausaufgaben wurde mir aber von fachkundiger Seite mitgeteilt, dass Hausaufgaben im Sinne von konkreten Arbeitsaufträgen (wohlgemerkt nicht allgemeines Lernen) als Arbeitszeit zählen. Entsprechend sind Hausaufgaben wohl zulässig, insofern dadurch die vertraglich vereinbarte, tägliche Arbeitszeit nicht überschritten wird. Da es sich bei unserer Berufsschule um eine Ganztagsschule mit 40 Stunden Unterricht handelt, wäre der außerschulische Arbeitsauftrag wohl in unserem Fall aber unzulässig gewesen.

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            #6
            Hallo,
            die Azubis haben sich im Vertrag zu einer Lernpflicht verpflichtet.
            Diese geht über die vereinbarte Ausbildungszeit hinaus und berührt auch die Freizeit.
            So sind auch Hausaufgaben im zeitlich begrenztem Umfang möglich.
            Siehe hierzu BBiG Kommentar zu §13 "Pflichterfüllung während der täglichen Arbeitszeit".

            Grüße

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              #7
              Hallo,

              auch ich bedauere, dass ich mich erst jetzt echt spät melde.
              Erstens: Es ist ja prima, dass das Problem zugunsten de Azubis geregelt wurde.
              Zweitens: Auch wenn es mich als Gewerkschaftler stört , die gesetzlich höchstzulässige Arbeitszeit für Personen über 18 Jahren beträgt 48 Stunden wöchentlich.

              Beste Grüße

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