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Darf ein als kfm. Ang. arbeitender Dipl. Ing. ausbilden?

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    Darf ein als kfm. Ang. arbeitender Dipl. Ing. ausbilden?

    Hallo zusammen,

    in der Ausbilder-Eignungsverordnung steht im §1
    "Ausbilder und Ausbilderinnen haben für die Ausbildung in anerkannten Ausbildungsberufen nach dem Berufsbildungsgesetz
    den Erwerb der berufs- und arbeitspädagogischen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten
    nach dieser Verordnung nachzuweisen. Dies gilt nicht für die Ausbildung im Bereich der Angehörigen der freien Berufe."

    Heißt das, dass ein Diplom-Ingenieur mit einer Weiterbildung zum staatlich geprüften Betriebswirt Kaufleute ausbilden darf?

    Mit freundlichen Grüßen
    Berny

    #2
    Darf ein als kfm. Ang. arbeitender Dipl. Ing. ausbilden?

    Hallo Berny,
    ich vermute, dass Sie nicht als "Freiberufler" arbeiten. Ob das so ist, entscheidet nicht die Ausbildung, sondern ob Sie eine Gewerbe betreiben oder freiberuflich tätig sind. Wenn Sie als Angestellter beschäftigt sind, ist die Frage, wie das Unternehmen vom Finanzamt eingeordnet ist.

    Alle selbstständig ausgeübte künstlerischen, erzieherischen, schriftstellerischen, wissenschaftlichen und unterrichtenden Tätigkeiten zählen zu den freien Berufen. Das Finanzamt kann genau darüber Auskunft geben, welche Berufe unter die Freiberuflichkeit fallen, denn Paragraf 18 des Einkommenssteuergesetzes definiert ganz klar die Zugehörigkeit.

    Ein Diplom-Ingenieur kann zu den freien Berufen zählen, wenn er selbstständig tätig ist, z.B ein Beraterbüro betreibt. Dann ist er i.d.R. auch Ausbildender, also Arbeitgeber für seinen Auszubildenden.

    Mit freundlichen Grüßen
    Adalbert Ruschel
    Professor i.R. Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg
    Autor und Ko-Autor von Büchern und Buchbeiträgen zur beruflichen Bildung

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      #3
      Hallo,

      besten Dank für die schnelle und kompetente Antwort. Es geht in der Tat nicht um die Ausübung eines freien Berufes sondern lediglich um die Zugehörigkeit zu einem solchen. Soweit ich das richtig verstanden habe gehören Ingenieure dazu.

      Jetzt ergibt sich noch eine Zusatzfrage. Besagter Ingenieur hat die Gelegenheit günstig an einem AdA-Kurs teilzunehmen. Darf er dann aufgrund seiner Weiterbildung zum "Staatlich geprüften Betriebswirt" auch Kaufleute ausbilden, oder aufgrund seiner ursprünglichen (schon lange zurückliegenden) Ausbildung zum "Technischen Zeichner" eben nur solche?

      Viele Grüße
      Berny

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        #4
        Darf ein als kfm. Ang. arbeitender Dipl. Ing. ausbilden?

        Hallo,
        offensichtlich habe ich doch noch nicht eindeutig formuliert, also auf ein Neues:
        Ingenieure gehören nicht per se zu den Freien Berufen. Entscheidend dafür ist, das sie freiberuflich arbeiten. Darüber entscheidet schließlich das zuständige Finanzamt.

        Das Berufsbildungsgesetz (§ 28 BBiG) regelt in Verbindung mit der Ausbildereignungsverordnung (AEVO) u.a. die Eignung von Ausbildenden und Ausbildern.
        Ausbildende (Arbeitgeber) müssen persönlich, Ausbilder persönlich und fachlich geeignet sein. Die fachliche Eignung umfasst die berufliche und die berufs- und arbeitspädagogische Eignung.
        Die berufliche Eignung wird i.d.R. durch einen Abschluss in einem dem geplanten Ausbildungsberuf entsprechnende Beruf nachgewiesen. §28 BBiG ermöglicht darüber hinaus den Nachweis beruflicher Eignung durch bestimmte schulische bzw. hochschulische Abschlüsse plus ausreichende Berufserfahrung. Diesem Teil der Eignung wird für dem Abschluss entsprechende gewerblich-technische Ausbildungsberufe mit dem Diplom des Ingenieurs entsprochen und für wiederum entsprechende kaufmännische Ausbildungsberufe mit dem staatlich geprüften Betriebswirt.
        Bleibt der Nachweis der berufs- und arbeitspädagogischen Kenntnisse. Diesae werden i.d.R. durch die bestandene Ausbildereignungsprüfung nachgewiesen. Auch dieser Teil kann durch entsprechende Prüfungen an staatlichen Schulen bzw. Hochschulen nachgewiesen werden. Der Nachweis muss aber individuell erbracht werden.
        Die endgültige Anerkennung der jeweiligen Eignung fällt die "zuständige Stelle" nach BBiG, das sind in der Regel die Kammern.
        Wenn der von Ihnen erwähnte Dipl.-Ing. ausbilden möchte - zunächst einmal unabhängig vom Ausbildungsberuf - muss er von seinem Arbeitgeber der zuständigen Stelle als Ausbilder gemeldet werden. Diese prüft dann die Voraussetzung und entscheidet, ob sie den oder die Nachweise anerkennt oder nicht. Gegen den Beschluss kann Einspruch bei der Kammer eingelegt werden. Wird auch der Einspruch abgelehnt, gibt es noch den Klageweg beim zuständigen Verwaltungsgericht.

        Noch ein letzter Hinweis: Sie finden auch den Text des BBiG im Internet an verschiedenen Stellen, googeln soll helfen!

        Mit freundlichen Grüßen
        Adalbert Ruschel
        Adalbert Ruschel
        Professor i.R. Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg
        Autor und Ko-Autor von Büchern und Buchbeiträgen zur beruflichen Bildung

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